„Wenn die Dorfhelferin kommt, läuft der Betrieb…“

Sie sind der „Mercedes“ unter den Haushaltshilfen, sagt Gitta Matthes, Seminarleiterin im Dorfhelferinnenseminar in Loccum/Niedersachsen, über ihre Absolventinnen. Auf jeden Fall haben die Dorfhelferinnen ein anspruchsvolles Einsatzgebiet: Sie gehen in Notsituationen in Familien und betreuen Haushalt, Kinder und übernehmen manchmal auch noch Aufgaben im landwirtschaftlichen Betrieb.

Dorfhelferinnen heißen eigentlich gar nicht so, sondern „Geprüfte Fachkraft für Haushaltsführung und Familienbetreuung in Haushalten landwirtschaftlicher Betriebe“. „Der Begriff Dorfhelferin ist jedoch in ländlichen Gebieten seit Jahrzehnten ein Qualitätsbegriff, deshalb nennen wir sie auch weiterhin so“, erklärt Gitta Matthes. „Auf dem Land weiß man, wenn eine Dorfhelferin kommt, läuft der Betrieb weiter. In der Stadt denkt man eher an die Fernseh-Dorfhelferin Simone Thomalla, die man meistens im Stall antrifft …eine Reihe von Vorurteilen kommt da zum Tragen.“

Nur in drei Bundesländern wird ausgebildet
Dorfhelferinnen sind in Deutschland eine Besonderheit: nur in drei Bundesländern, nämlich in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg gibt es entsprechende Ausbildungen. Und es gibt hohe Zulassungsvoraussetzungen für die Weiterbildung. So setzt die 14-monatige Weiterbildung zur Dorfhelferin zum einen eine abgeschlossene Ausbildung zur Hauswirtschafterin und ein Jahr Praxis voraus. Eine weitere Voraussetzung sind Erfahrungen im landwirtschaftlichen Haushalt, entweder weil man selbst aus der Landwirtschaft kommt oder eine Ausbildung oder ein Praktikum dort absolviert hat. Dies muss über ein halbes Jahr nachgewiesen werden, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen fordert dies als Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung.

„Die Begründung ist, dass im ländlichen Haushalt einiges anders läuft als in städtischen. So ist das private Umfeld eng verzahnt mit dem beruflichen, es gibt meist keine geregelten Arbeitszeiten, manchmal existentielle Sorgen und Vieles ist nicht planbar. Das sind hohe Anforderungen an die Einsatzkraft, die in die Haushalte kommt“, erklärt Gitta Matthes.

 

Geholfen wird auch Familien in der Stadt
In Niedersachsen ist der Beruf auf Initiativen der Landfrauen, des Landvolks und der evangelischen Kirchen zurückzuführen. Das Werk wurde in den 1960er Jahren gegründet. Der Fokus lag ursprünglich auf landwirtschaftlichen Familien. Wenn die Mutter ausfiel, dann war auf den Höfen viel zu tun. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Ganze weiterentwickelt. „Wir sind als diakonische Einrichtung bemüht, allen Familien im Falle der Not zu helfen. Wir unterstützen die alleinerziehende Mutter im Stadtgebiet, eine Familie auf dem Land oder eine Familie mit Migrationshintergrund“, erklärt Birgit Steinmeier, Einsatzleiterin der Dorfhelferinnenstation Melle-Wittlage-Osnabrück, die elf Dorfhelferinnen betreut. Heute finden rund 50 Prozent der Einsätze in städtischen Familien statt.

Die Nachfrage nach Dorfhelferinnen in Niedersachsen ist sehr groß, nur fehlt auch hier, wie in vielen anderen Berufen, der Nachwuchs. Bis zu zehn Dorfhelferinnen können jeweils in Loccum ausgebildet werden, zurzeit sind es nur sechs. Und dass, obwohl die Berufsaussichten hervorragend sind. „Es ist in der Praxis nie so, dass eine Absolventin keine Stelle bekommt“, erklärt Gitta Matthes.

Text: Alexandra Höß

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