„Unsere Kunden wollen kein Leistungsverzeichnis“

Das Berliner Unternehmen „Book a Tiger“ ist das erste Online-Putzportal, das seit Anfang 2016 konsequent auf festangestellte Mitarbeiter in der Reinigung setzt. Dies ermöglicht neue Geschäftsfelder – wie die Büroreinigung. Wie es dazu kam und was dort anders ist, erläutert Fabian Feldhaus (31), Geschäftsführer von „Book a Tiger Business“, im Gespräch.

Eins zu eins lässt sich das Modell von der privaten Reinigung in Wohnungen zur Business-Reinigung in Büros vermutlich nicht übertragen. Was hat Sie dazu bewogen, den Schritt zu gehen?
Seit der Gründung des Unternehmens haben wir bereits mehrere hundert Business-Unternehmen als Privatkunden bei „Book a Tiger“ gehabt. Das war für uns eine spannende Erkenntnis, die wir so nicht vorhergesehen haben. Der B2B-Markt hat sich uns praktisch von selbst angeboten.
Bei den Privatkunden war es ähnlich. Claude Ritter, COO und Co-Founder von „Book a Tiger“, hatte das im Interview mit rhw praxis 1/2016 ja bereits genauer erläutert. Hier erwarteten wir anfangs auch eher Single-Männer als Zielgruppe, um dann im Nachhinein festzustellen, dass die Reinigung von Familien-Wohnungen viel stärker nachgefragt ist.

Wie kalkulieren Sie?
Je nach Region berechnen wir pro Stunde ab 18,90 € Netto aufwärts. Es kommen keine zusätzlichen Kosten, zum Beispiel für die Anfahrt, auf den Kunden zu. Abrechnet wird nach Stundenpreis. Sollte bei einem Auftrag also mal etwas mehr Arbeit anfallen, können wird das flexibel handhaben.

Üblicherweise arbeitet man in der Profi-Branche ja mit Leistungsverzeichnissen und Ortsbegehungen. Möchten Sie das jetzt auf den Kopf stellen?
Leistungsverzeichnisse wünschen sich bei uns tatsächlich nur ganz wenige Kunden. Die Kunden möchten eine vertrauensvolle Reinigungskraft, die ihren Job gut macht, und selbst keine Zeit dafür investieren, um festzulegen, wann und mit welchen Mitteln beispielsweise Fensterbänke und Türklinken zu reinigen sind. Das übernehmen unsere Reinigungskräfte eigenständig.
Doch wenn jemand über ein Leistungsverzeichnis an uns herantritt, können wir auch das erstellen. In unserer Geschäftsführung arbeitet mit Christoph Walz ein erfahrener Facility Manager, der vor seiner Tätigkeit bei uns in zwei der weltweit führenden Gebäudereinigungsunternehmen gearbeitet hat.

Gehören solche großen Anfragen mit Leistungsverzeichnis denn zu ihrer Kernzielgruppe?
Nein, wir verfolgen einen anderen Ansatz. Wir arbeiten vorwiegend mit KMUs, also kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen. Diese machen in Deutschland einen sehr großen Anteil der Betriebe aus. Wir haben festgestellt, dass hier eine große Unzufriedenheit mit aktuellen Lösungen vorherrscht. Zu unserer Kernzielgruppe gehört also eher der lokale Einzelhändler und das kleine Büro von nebenan. Unsere digitalen Prozesse lassen uns eine große Anzahl eher kleinerer Kunden sehr effizient und zufriedenstellend bedienen. Das Auftragsvolumen kann sehr dabei unterschiedlich sein. Wir haben feste Kunden, die nur einmal alle zwei Wochen eine Reinigung wünschen, aber auch Kunden, bei denen wir täglich putzen, wie zum Beispiel einen dm-Drogeriemarkt in München oder diverse Büros in Berlin.

Können Sie das bitte noch etwas ausführen?
Ich sehe hier auch durchaus eine Analogie zur privaten Wohnung. Ich putze ja zu Hause auch nicht jeden Tag die Fenster, nur weil es in einem Verzeichnis steht. Unsere Reinigungskräfte haben viel Erfahrung und ein sehr gutes Gespür dafür, wie oft bestimmte Dinge geputzt werden müssen. Aber natürlich werden ab einer gewissen Größe ganze Reinigungstrupps benötigt und eingesetzt. Dann können wir auch Angebote mit Leistungsverzeichnissen erstellen.

Was ist noch anders?
Wenn uns Büros oder Läden zur Reinigung anrufen, dann sind dies meist deutlich detailliertere Aufträge als im Privathaushalt. Dies liegt sicherlich daran, dass der Business-Kunde genauer weiß, was er möchte und vorher auch schon mit anderen Dienstleistern gearbeitet hat. Diese Kunden betreuen wir dann auch mit einem direkten Ansprechpartner und nicht über die allgemeine Hotline. Nicht zuletzt sorgen wir auch dafür, dass bei Business-Kunden jeweils mindestens ein fester Cleaner reinigt. Vielen unserer Kunden ist es besonders wichtig, zu welchem Zeitpunkt gereinigt wird und ob dem Personal vertraut werden kann.

Wo sehen Sie aktuell die Grenzen bei der Business-Reinigung?
Die Grenzen liegen für uns ganz bewusst bei hygienesensiblen Bereichen, wie beispielsweise Krankenhäusern, aber auch bei der Reinigung von großen Außenflächen wie Parkdecks. Hier kooperieren wir zunehmend mit einem Netzwerk von Partnern, sodass wir beispielsweise Bauendreinigungen in Kooperation mit einem Gebäudereinigungs-Dienstleister anbieten können.

Und wohin wird es in Zukunft gehen?
Man kann insgesamt sagen: Wir entwickeln uns zu einem Full-Service-Anbieter rund um digitale Facility Services. Die Reinigung kommt von uns und Sonderwünsche wie Sonderreinigungen, ein Fußmatten-Wechselservice, Hausmeisterdienste, Umzüge oder Catering können wir durch unser Partner-Netzwerk vermitteln. Wir haben auch schon weitere Ideen für Service-Dienstleistungen und -materialien rund um das Thema Büro, die wir aber noch nicht kommunizieren können.

Danke für das Gespräch.
Interview: Robert Baumann
Foto Fabian Feldhaus: Book a Tiger Business

(Das gesamte Interview lesen Sie in rhw praxis 2/2016 Reinigung und Nachhaltigkeit)

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