Trends in der Reinigung

Ob mikrobiologische Reinigung, Leistungskennzahlen oder Digitalisierung: Wir befragten Elisabeth Baumholzer, Organisationsberatung Facility Management, Meschede, zu den von ihr beobachteten Trends. Bereits seit über 20 Jahren verfolgt sie die Entwicklungen der Branche.

Die mikrobiologische Reinigung ist weiterhin auf dem Vormarsch, fast jeder Reinigungshersteller hat inzwischen diese Produkte im Angebot. Diese Reiniger nehmen, vereinfacht gesagt, den geruchsbildenen Mikroorganismen (wie Urin) die Nahrungsgrundlage weg und diese sterben dann ab bzw. werden stark verdrängt und sind klar Trend 1. Branchenbekannt ist, dass für die darin enthaltenen Mikroben nur zwei, drei Hersteller weltweit in Frage kommen.
Einer der Pioniere ist BioScience aus Kanada. In Kanada werden bereits 2.500 Schulen mit diesen Mitteln gereinigt. „Natürlich sind die Anwender gegenüber solch neuer Technologie zunächst noch skeptisch, doch die Gemeinde Olsberg im Sauerland sorgt schon seit einiger Zeit mit dem Urinvertilgungsmittel dafür, dass die WCs in den Schulen und Kitas nicht mehr riechen. Hier konnte nach drei Wochen der Uringeruch vollständig entfernt werden“, sagte Elisabeth Baumholzer. Auch der Discounter Aldi nutzt Innu-Science Produkte für die eigene Reinigung der Märkte mit einem Scheuersaugautomat.

Präparation der Mopps übers Wochenende
Trend 2: „Durch die mikrobiologischen Reinigungsmittel in der Wäschepflege verschwinden einer schwedischen Studie zufolge auch die Inkrustationen von Mopps. Die Tücher werden nach dem Waschen mit mikrobiologischem Waschmittel weicher als üblich und Mopps und Tücher nehmen mehr Schmutz auf.“

Die Präparation der Mopps bereits in der Waschmaschine ist Trend 3, der sich etabliert hat, denn die Maschinen können nun auch über das Wochenende minutengenau eingestellt werden und die Mopps sind am Montag fertig für den Einsatz.

Die mikrobiologische Reinigungsweise hat nur einen kleinen Haken: Die benötigte Konzentration an Mittel ist so niedrig, dass es viele Reinigungskräfte nicht glauben wollen, zumal die Lösungen geruchslos sind und dadurch vermeintlich nur wie Wasser daherkommen. „So liegt die Konzentration bei einer Bodenreinigung mit mikrobiologischem Reiniger bei etwa eins zu 100, bei Teppichen eins zu 150, also auf vier Liter Wasser lediglich 25 ml Reiniger, bei der Fensterreinigung sogar nur bei eins zu 350. Vergleichen Sie das mit herkömmlichen Dosierungsanweisungen für die Bodenpflege, liegt dieser Wert also zehn bis 20 Mal niedriger.“

Im Kommen: Fertig präparierte Tücher
Um die Anwendung weiter zu verbessern, wurden im März 2016 fertig präparierte mikrobiologische Tücher für Behindertenheime, Labore, Krankenhäuser und Kindertagesstätten auf den Markt gebracht. Und hier sind wir auch schon beim 4. Trend: fertig präparierte Tücher für die Reinigung oder auch die Oberflächendesinfektion. Hier sind Dosierungsfehler klar ausgeschlossen, jedoch fällt deutlich mehr Abfall an. Einige Hersteller beobachten deshalb zunächst noch diesen wachsenden „Tissue-Markt” (Tissue = Tuch).

„Nachhaltigkeit ist natürlich in aller Munde, aber oft sieht man doch in der Praxis nur wenig davon“, sagt Baumholzer realistisch. Ein schönes Gegenbeispiel sei die Grundschule der Gemeinde Tamm, die seit 35 Jahren in Eigenreinigung sauber gehalten wird. Der dortige Teppich wurde nach 20 Jahren gegen einen Linoboden nur einmal erneuert, selbst die Waschbecken und Toiletten stammen noch original aus dem Jahr 1980 und die grünen Waschbecken von dem Designer „Colani“ haben noch ihre Acrylfarbe von damals behalten. Wie kann das sein? Als Grund sieht Elisabeth Baumholzer die geringe Fluktuation bei den Reinigungskräften, machbare Leistungskennzahlen in der Reinigung und damit genügend Zeit.

Robert Baumann

Alle aktuellen Trends lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 2/2016

Foto: Elisabeth Baumholzer