Stolz und Ohnmacht

Katharina Mahrt von der Humboldt-Universität Berlin erforscht derzeit mit ihren Kommilitonen, wie die Putzportale hinter den Kulissen der vielversprechenden Webseiten funktionieren. Sie hat hierfür auch Testarbeiten von Putzkräften durchführen lassen und sie dazu interviewt. Ein Gespräch über Absagen, Trinkgeld und beliebte Kunden.

Das Studienfach Ethnologie und das Thema Putzportal – das klingt zunächst so, als würde es nicht so recht zusammengehören.
Nun, in unserem Forschungsprojekt betrachten wir die Logistik im historischen Wandel. Denn viele von uns wissen nicht, dass zahlreiche Errungenschaften zunächst militärische Erfindungen waren, und zwar schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts.

Haben Sie dafür ein paar Beispiele?
Denken Sie beispielsweise an Hintermagazine in der Armeeversorgung – eine logistische Revolution im Vergleich der vorherigen Methode des Mundraubs und der Brandschatzung. Später gab es Autobahnen, Bahnhöfe und irgendwann die Anfänge des Internets – alles zunächst geschaffen für die Militärdienste. Erst später sind diese Errungenschaften bei uns im Alltag angekommen und bilden heute unsere Infrastruktur. Dabei steht der Effizienzgewinn im Mittelpunkt von logistischen Technologien, vor allem bei der wirtschaftlichen Nutzung. Dasselbe beobachten wir bei der historischen Entwicklung von Haushaltsdienstleistungen und Kommunikationsangeboten.

Wie sind Sie bei Ihrer Untersuchung zu den Putzportalen vorgegangen?
Wir haben einerseits selbst Arbeiten über ein Putzportal ausgeführt, dazu kamen Expertinneninterviews mit den Gewerkschaften IG BAU, DGB und verschiedenen Professoren und Professorinnen sowie eine Exkursion zur Reinigungsfachmesse CMS. Dazu haben wir ein Gruppeninterview geführt mit drei selbstständigen Putzkräften, die von verschiedenen Portalen vermittelt werden. Dabei haben wir festgestellt, dass dies auch das Thema Migration stark betrifft. Etwa 80 Prozent der vermittelten Kräfte haben keinen deutschen Pass, aber eine Arbeitserlaubnis.

Das bringt sicherlich Verständigungsprobleme auf vielerlei Ebenen mit sich.
Für viele der Putzkräfte stellt sich schon allein die Frage, wo das für sie zuständige Ordnungsamt zu finden ist und wie man dorthin kommt. Die meisten von ihnen arbeiten mit einem Trick, indem sie sagen, dass sie einen Gewerbeschein benötigen, und zwar für sich als freiberufliche Putzkraft und nicht, um für ein Portal zu arbeiten. Denn sonst bekommen sie diesen Gewerbeschein in der Regel nicht. Nach den unangenehmen Erfahrungen mit den Ämtern wird auch von den Plattformen kaum Unterstützung angeboten. Für viele Putzkräfte ist nicht klar, wie sie bei den Krankenkassenbeiträgen von monatlich mindestens 200 Euro den günstigsten Anbieter finden.

Wie oft waren Ihre Forscherkollegen im Einsatz, um mehr über die Arbeitswirklichkeit der Portale zu erfahren?
Wir haben uns bestimmte Gegenden ausgesucht, wo wir niemanden kennen, damit wir nicht zufällig bei einem Bekannten in der Wohnung landen. Dort haben unsere Forscher und Forscherinnen dann insgesamt acht Mal gearbeitet, was jedoch nicht acht Stunden Arbeitszeit bedeutet, sondern jeweils in der Regel pro Anfrage mindestens zwei bis vier Stunden. Denn der Auftrag richtet sich nach der Zahl der Zimmer, und in der Regel lässt man ja kein Einzelzimmer-Appartement reinigen.
Die Plattformen helfen mit bei der Kalkulation der Reinigungszeiten, denn die Aufträge und Zusatzaufgaben wie Fensterputzen oder Kühlschrank-Auswischen werden von den Kunden vorher in die Eingabemaske eingegeben. Oft erweisen sich solche Standards aber nicht als 100 Prozent brauchbar, denn schon der Verschmutzungsgrad kann sehr unterschiedlich sein.

Interview: Robert Baumann

Das komplette Interview lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 1/2016

Foto: Privat