Schulverpflegung – macht Dampf für gutes Essen!

Die Verbesserung der Schulverpflegung wird mittlerweile nicht nur als politische Aufgabe gesehen, für die sich Bundesernährungsminister Christian Schmidt stark macht, sondern auch Promis wie Sarah Wiener mischen mit. Auf dem Internorga-Forum Schulcatering im März 2016 in Hamburg wurden die verschiedenen Konzepte und erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt.

„Mehr als vier Millionen Kinder und Jugendliche essen heute in Gemeinschaftseinrichtungen, das ist Auftrag genug, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen“, sagte Christan Schmidt, Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung auf dem Forum Schulcatering.

Anfang des Jahres hatte er bereits mit der Kampagne „Macht Dampf! – Für gutes Essen in Kita und Schule“ die größte Qualitätsoffensive, die es jemals in Deutschland gab zu diesem Thema, angekündigt. Auf dem dazugehörigen Webportal gibt es umfangreiche Info-Materialien, Poster und Postkarten. Angeboten werden auch verschiedene Bildungspakete jeweils für Kita, Grundschule und weiterführende Schule. Speziell für sogenannte Willkommensklassen gibt es die Bildungsbox „Aufgetischt“. Damit soll gleichzeitig die Sprache und das Ernährungswissen bei Kindern von Flüchtlingen und Migranten gefördert werden.

„Die neuen Unterrichtsmaterialien vom aid sind uns auf der Bildungsmesse Didacta quasi aus den Händen gerissen worden, hier gibt es ein hohes Interesse“, berichtete Schmidt.

Ihm scheint es ernst zu sein mit dem Thema, so kündigte er auch ein Nationales Qualitätszentrum für gesundes Essen in Kita und Schule an, das noch im ersten Halbjahr in Berlin die Arbeit aufnehmen soll. Eine Aufgabe des Zentrums soll sein, Schulen, Eltern, Trägereinrichtungen und Kommunen bei der Auswahl und Bewertung von Caterern zu unterstützen. Dafür soll ein Qualitätsnachweis geschaffen werden, daran sollen sich die Profis der Branche beteiligen.

Und noch ein Punkt ist dem Minister ganz wichtig: „Die Zwillingsschwester der Schulverpflegung ist die Ernährungsbildung. Ich will, dass die Ernährungsbildung einen festen Platz in allen Lehrplänen bekommt. Das werde ich in die Bundesministerkonferenz einbringen“, betonte Schmidt.

In diesem Zusammenhang sprach er auch die Lehrerbildung an: „Es sind nur noch sechs Bundesländer, in denen eine Lehrerausbildung im Bereich Hauswirtschaft und Ernährung stattfindet. Doch das ist kein angestaubtes, altes Fach, sondern ganz wichtig.“ Ein starkes Signal für die Hauswirtschaft von offizieller Ministerseite!

„Ich kann kochen“
Doch nicht nur Christian Schmidt macht sich stark für die Ernährungsbildung von Kindern, er bekommt Konkurrenz von Sarah Wiener. Die Köchin und Unternehmerin startet ab Herbst 2016 zusammen mit der Barmer GEK unter dem Motto „Ich kann kochen“ eine große Ernährungskampagne für Kinder. In den nächsten fünf Jahren sollen rund 50.000 Erzieher und Pädagogen zu sogenannten Genussbotschaftern ausgebildet werden, um dann selbst in der Kita oder im Unterricht „Ich kann kochen“-Kurse zu veranstalten.
Die Genussbotschafter erhalten Zugang zur Ernährungsbildungsdatenbank der Stiftung und sollen laut Wiener theoretisch und praktisch alles erfahren, was man wissen muss, wenn man mit Kindern kochen und praktische Ernährungsbildung betreiben möchte. Etwa 1,4 Millionen Kinder sollen so erreicht werden.
Mit ihrer Stiftung engagiert sich die Promi-Köchin schon länger dafür, dass das Kulturgut „Kochen“ nicht verloren geht: „Das schwindende Wissen über Zubereitung, Herkunft und Vielfalt der Lebensmittel bei Kindern besorgt mich zutiefst. Nachfolgende Generationen verlieren so ihre Ess- und Kochkultur und damit die Fähigkeit, sich selbstbestimmt und gesund zu ernähren.“ Durch die Kooperation mit der Barmer GEK kann sich die Stiftung nun größer aufstellen.

Sarah Wiener berichtet, dass sie in den letzten Jahren schon enorm positive Erfahrungen bei Kochkursen in Schulen gemacht hat: „Verhaltensauffällige Schüler werden durch das Kochen geerdet. Es werden eben andere Fähigkeiten gefordert als zum Beispiel in Mathe. Kochen schult die Feinmotorik und fördert die Teilhabe. Und durch das gemeinsame Kochen kann man Liebe transportieren.“

Sie berichtet von der geradezu absurden Situation, dass immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen werden, aber die Küchen weggerissen werden: „Schmeißen Sie sich vor den Bagger, wenn Sie so etwas erleben …“.

Sie beklagt auch, dass die Menschen heute ihre Ernährung an die großen Food-Konzerne delegieren, so habe sich der Konsum von Fertigprodukten in den letzten drei Jahren verdreifacht und es gäbe Zehnjährige, die glauben, Panade sei die normale Haut des Fisches. „Aber gleichzeitig gibt es die Sehnsucht nach nachhaltigen, gesunden, regionalen Lebensmitteln, nur können wir nicht mehr damit kochen.“

Alexandra Höß

www.macht-dampf.de
www.sw-stiftung.de/ich-kann-kochen.html

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 6/2016

Foto: Sarah Wiener Stiftung