Reportage Residenz Schloß Stetten


Schloß Stetten, zehn Kilometer entfernt von Künzelsau in Baden-Württemberg, ist einer der Vorreiter für das betreute Wohnen in Deutschland. Die Idee wurde vor 35 Jahren von Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten entwickelt.

Der 78-Jährige ehemalige Richter und CDU-Bundestagsabgeordnete führt uns persönlich durch sein Ideen-Reich für rund 300 Bewohner/innen. „So und jetzt alle wieder die Zehen an die Wand drücken!“. Der Besucher der rhw management wird nur kurz begrüßt – denn es geht hier gleich weiter gegen 18.00 Uhr im großen Therapiebad von Schloß Stetten. Eine etwa 70-jährige Bewohnerin (!) gibt gerade rund zwölf Mitarbeiter*innen von Pflege, Reinigung und Hauswirtschaft nach deren Schicht eine kostenlose Aqua-Gymnastik-Stunde im Therapiebad. Eine Bewohneraktivierung, die gleichzeitig das Personal aktiviert – davon haben hier alle was!


Dass hier auf der 900 Jahre alten Burganlage in der Nähe von Künzelsau Bewohner noch vielfältige Aufgaben übernehmen, ist dem Konzept des betreuten Wohnens zuzuschreiben, aber auch dem Umgang des Personals mit den rund 300 Bewohner*innen. „Einige Bewohner sind auch zwei bis drei Stunden bei der Weinlese dabei oder verwalten die 20.000 Bücher umfassende Bibliothek selbst“, berichtet Geschäftsführer Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten, der von seiner Tochter und seit 2010 Mitgeschäftsführerin Dr. Franziska Freifrau von Stetten bei unserem Besuch begleitet wird.

30 Jahre Einzelzimmer: früher „unsozial“ – heute Vorschrift
Die Idee des betreuten Wohnens wurde von Wolfgang Baron von Stetten entwickelt. Er wollte vor über 35 Jahren schon weg von der „Käfighaltung“ in Altenheimen, wie er es nennt. Damals wurde er für seine Idee, nur Einzelzimmer einzurichten, damit sich die Bewohner bewusst außerhalb der Zimmer treffen können, belächelt oder sogar mit finanzieller Nichtförderung bestraft. „Die ersten zehn Jahre war das Geschäft mit der Pflege auf Schloss Stetten ein Minusgeschäft“, gibt Baron von Stetten unumwunden zu. Heute sind Einzelzimmer in der Landesheimbauverordnung von Baden-Württemberg sogar vorgeschrieben.

Leitmotiv ist Kontinuität
„Derzeit wird an jeder Ecke betreutes Wohnen angeboten, deshalb müssen wir wieder überlegen, was unser Alleinstellungsmerkmal ist, also warum kommen Bewohner von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen zu uns“, so Baron von Stetten. Er glaubt, dass es an den gewachsenen Strukturen liegt.
Zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten oder zu Besuchen von verschiedenen Persönlichkeiten (wie Volker Bosbach) werden auf Schloß Stetten traditionell Bäume gepflanzt. Hinzu kommt die ländliche Idylle aber auch der Flair der Burg und der jährlichen Oper-Air-Burg-Festspiele sowie der weiteren kulturellen Angebote.
Die Bewohner werden hier eingebunden, das kann auch mal eine Weinlese-Schicht von zwei bis drei Stunden bei der Weinernte des hauseigenen ein Hektar großen Weinbergs sein. Zur Lese kommen über 30 Bewohner, die dann auf eine Vesper eingeladen werden und Wein geschenkt bekommen, der intern Therapiewein genannt wird.

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen rhw management-Ausgabe 12/2019.

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