Mobiles Kochen – zwei gelungene Praxisbeispiele

Die Idee eines mobilen Kochwagens, mit dem zum Beispiel am Bett eines Bewohners gekocht werden kann, stößt derzeit in immer mehr Altenhilfeeinrichtungen auf Interesse. rhw management stellt Ihnen zwei Beispiele vor, bei dem zum einen ein Heimkoch und zum anderen eine Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin mit viel Leidenschaft ihre Idee eines Kochwagens äußerst überzeugend in die Praxis umgesetzt haben.

Beim Innovationspreis der Altenpflegemesse werden „herausragende Ideen, Produkte und Dienstleistungen für eine zukunftsweisende Altenhilfe“ gesucht. In diesem Jahr gewann Heimkoch Frank Dornsiepen diesen Preis für sein Projekt „Mobiler Kochwagen“. Dornsiepens Konzept zeuge von sensiblem Gespür für die Belange des Menschen, von leidenschaftlicher Haltung zum eigenen Tun und von wachem Gründergeist, heißt es in der Begründung der Jury.

Preis für durchdachtes Mobilitätskonzept
„Als ich mit dem Projekt angefangen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich damit einen Innovationspreis gewinnen werden“, sagt Frank Dornsiepen, der als stellvertretender Küchenleiter im Alten-Wohn-Pflegeheim Christkönig im nordhessischen Bad Wildungen arbeitet. Der gelernte Koch hatte sowohl zuvor bei der Bundeswehr als auch in A-la-carte-Restaurants und in einer Klinik gearbeitet, bevor er in die Altenpflegeeinrichtung mit 80 Bewohnern wechselte. Im Rahmen einer Fortbildung zum Heimkoch bei der IN VIA-Akademie in Paderborn hatte er sich für eine Projektarbeit mit dem Kochen am Bett beschäftigt, ein Thema, das er sich selbst ausgesucht hatte.

„Ich hatte mich an meinem Arbeitsplatz im Alten-Wohn-Pflegeheim schon immer gefragt, was passiert weiter mit dem Essen, wenn es die Küche verlässt und auf einem Teller mit Glosche auf die Etage gefahren wird zu den Bewohnern, die in ihrem Zimmer essen müssen.“ Seine Überlegung war, diese Menschen wieder am Kochprozess teilhaben zu lassen, durch den Duft die Erinnerung an früher zu wecken und den Geschmack zu stimulieren. Die Idee des Kochwagens war geboren.
Hatte er denn so einen Wagen zuvor in einem Altenheim schon einmal in Aktion gesehen? „Nein, ich hatte vorher kein Beispiel dafür gesehen. Ich habe einfach mal eine Zeichnung gemacht, wie ich mir den Wagen vorstelle und bin damit zu einer Tischlerei gegangen“, berichtet Dornsiepen.

In Zusammenarbeit mit der Tischlerei Bock aus Bad Wildungen wurde dann aus Platten eine Art Dummy entwickelt. „Diese Entwicklungsphase hat ein dreiviertel Jahr gedauert, wir haben immer weiter an dem Wagen gefeilt.“ Herausgekommen ist schließlich ein durchdachtes Mobilitätskonzept für den direkten Einsatz am Pflegebett. „Der Kochwagen ist sehr breit einsatzfähig, nicht nur am Bett, sondern auch in der Gruppe, beispielsweise zum gemeinsamen Schnibbeln“, so Dornsiepen.

Auch für Bewohner auf der Bettkante
Der Wagen ist mit flexiblen Rollen ausgestattet und verfügt über auszieh- und drehbare Arbeitsflächen für die Nutzung im Sitzen, Stehen und Liegen. „Der Kochwagen ist auch einsetzbar, wenn ein Bewohner auf der Bettkante sitzen kann, dann kommen die Beine unter die Ausziehplatte und er kann mitmachen. Das Gleiche gilt für Bewohner im Rollstuhl.“

In der Basis-Ausführung verfügt der Kochwagen über fünf Schubladen in verschiedenen Größen, so dass genug Stauraum für Küchenutensilien, wie zum Beispiel die Küchenmaschine KitchenAid, vorhanden ist. Die Arbeitsflächen und Auszugsbereiche sind aus Holz, integriert sind ein Stromanschluss sowie ein drei Meter langes Kabel. Auch das mobile Induktionskochfeld lässt sich in einer der Schubladen verstauen, es verfügt über eine Stromleiste mit fünf Steckdosen mit Klappen sowie einem Hauptschalter.

„Durch die Schubladen ist die Hygiene gesichert, sämtliche Lebensmittel, die ich mit ins Zimmer nehme, kann ich in den Schubladen verschließen“, erklärt Dornsiepen. Der Kochwagen ist außerdem ausgestattet mit einer Abwaschschüssel aus Emaille, will man sie einsetzen, lässt sich eine entsprechende Halterung ausziehen und die Schüssel darin einhängen. „Das sind die Bewohner aus ihrem Haushalt von früher gewohnt: Nach dem Essen wird in einer Schüssel abgewaschen.“

Alexandra Höß

www.altenheim-christkoenig.de
www.bock-tischlerei.de/mobiler-kuechenwagen

Das zweite Praxisbeispiel und mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 9/2016

Foto: Dornsiepen