Mit Hingabe und Liebe

„Wenn es möglich ist, an jedem Ort und durch jede Tätigkeit in der Welt spirituell wirksam zu sein, so muss es auch durch die tägliche pflegerische Putzarbeit möglich sein“, so beschreibt Linda Thomas ihre Arbeitsphilosophie. Die Schweizerin ist erfolgreiche Buchautorin, weltweit tätige Vortragsrednerin, Gründerin einer ökologischen Putzfirma. Als Hauswirtschaftsleiterin in einem Krankenhaus hat sie dem Reinigungsdienst eine ganz neue Bedeutung gegeben.

Frau Thomas, wie sind Sie dazu gekommen, sich mit der ökologischen Reinigung zu beschäftigen?
Ich wollte gerne meine Kinder in die Rudolf-Steiner-Schule (Anm. d. Redaktion: in Deutschland ist das die Waldorfschule) in Basel schicken. Der Vater meiner Kinder fand, eine gute Staatsschule sei gut genug, und wenn ich es anders möchte, so solle ich es auch selbst finanzieren. Eine Freundin, die schon damals biologisch abbaubare Reinigungsmittel herstellte, riet mir, eine ökologische Reinigungsfirma zu gründen. So etwas gab es noch nicht.
Diese Freundin, die Chemikerin Erika Dietrich, entwickelte speziell für mich Reinigungsprodukte und brachte mir viel über die unterschiedliche Wirkungsweise von Säuren, Alkalien und Lösungsmitteln bei. Bis auf wenige Ausnahmen wie für Farbreste, die nur mit Lösungsmitteln behandelbar sind, benutzte ich fast ausschließlich 100 Prozent biologisch abbaubare Reinigungsmittel.

Wie lange haben Sie Ihre Firma geführt?
Insgesamt 21 Jahre, von 1988 bis 2009. In der Blütezeit hatte ich 25 Mitarbeitende und war sehr erfolgreich. Am Anfang habe ich selber geputzt und dann nach und nach hauptsächlich Mütter eingestellt. Der erste Dauerauftrag war das Reinigen einer Rudolf-Steiner-Schule. Das hat sich herumgesprochen und schließlich haben wir auch den weltweiten Hauptsitz der Anthroposophie, das Goetheanum in Dornach bei Basel, gereinigt.

Was bedeutet ökologische Reinigung? Reinigen nur mit Wasser? Verzicht auf jegliche Reinigungschemie?
Ganz auf Chemie zu verzichten, das geht nicht, weil chemische Rückstände oft auch chemisch entfernt werden müssen. Aber für die Unterhaltsreinigung im Privathaushalt und auch zum Beispiel in Büros ist der Verzicht auf Chemie gar kein Problem. Ökologie muss sehr breit angeschaut werden: vom Behälter über die Inhaltsstoffe bis zum Transport und dem Thema Nachhaltigkeit. Privat habe ich alles auf ein Minimum reduziert. Ich arbeite mit folgenden Mitteln:
Mikrofaser-Tücher können für alle Bereiche und fast alle Oberflächen weitestgehend ohne Putzmittel eingesetzt werden. Ich verwende nur eine gute Qualität von Fasern. Die Tücher sollten mit möglichst wenig Wasser, also nebelfeucht, eingesetzt werden.

Glasschaber mit professionellen Klingen helfen bei der Entfernung von Klebeband, Insektenklecksen auf Fensterscheiben, Krusten und Angebranntem im Backofen, bei Kalkrückständen und Fettschichten. Dadurch lassen sich Lösungsmittel vermeiden.

Neutrale Mittel wie Allzweckreiniger, neutrale Seife oder Butzwasser lassen sich überall einsetzen, wo keine besondere Pflege benötigt wird wie zum Beispiel auf synthetischen Oberflächen, an Türen und Rahmen. Allzweckreiniger eignen sich nicht für Nassbereiche, da sie den Kalk nicht lösen. Butzwasser gibt es im ausgewählten Naturkosthandel zu kaufen.

Säuren wie Zitronen-, Essig- und Milchsäuren eignen sich für alle Nassbereiche im Haushalt. Bei Armaturen und Edelstahl dürfen jedoch nur leicht säurehaltige Produkte eingesetzt werden, da starke Mittel Verfärbungen verursachen können.

Alkalien wie Waschsoda, Schmierseife, Gallseife oder Natron werden bei Fett und Flecken eingesetzt. Sehr geeignet als Reinigungsmittel etwa für den Filter vom Dampfabzug. Ungeeignet jedoch für ölhaltige Oberflächen wie Linoleum oder Holz, da Alkalien entfetten.

Abrasivstoffe wie Putzstein, Wienerkalk, Quarz, Asche, Kreide oder Bimsstein sollten sehr gezielt eingesetzt werden, da sie Oberflächen beschädigen können. Ausgezeichnet geeignet sind sie für die Entfernung von Bleistiftkratzern, schwarzen Strichen auf Böden, Türen oder Wänden.

Interview: Alexandra Höß

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 2/2016

www.lindathomas.org

Foto: Charly Hug