Migrantinnen in Beruf und Schule fördern

Frauen in Beruf und Schule – kurz FiBS – fördert Frauen mit Migrationshintergrund. Die Münchner Initiative bietet neben Sprachkursen auch die Ausbildung zur Hauswirtschafterin an. Eine gute Chance für Frauen unterschiedlichster Herkunft, im Berufsleben in Deutschland Fuß zu fassen und Selbstbewusstsein zu gewinnen.

„Es ist uns ein Anliegen, Migrantinnen vermitteln zu können, dass sie dazugehören – egal welcher Nationalität sie sind, welche Religion sie ausüben oder aus welcher Kultur sie stammen“, erklärt Kursleiterin Michaela Küntzler die Motivation der Initiative Frauen in Beruf und Schule.

Frauen in Beruf und Schule (FiBS) wendet sich speziell an Migrantinnen, die bereits seit mehreren Jahren in Deutschland leben, selbst eingewandert sind und ihre berufliche Eingliederung in Deutschland vorantreiben und damit ihre Berufschancen verbessern möchten. Das Projekt hat verschiedene Angebote. So werden Frauen beispielsweise bei einer beruflichen Neuorientierung beraten, können sich zur Buchhaltungsfachkraft qualifizieren – oder eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolvieren.

Gute Deutschkenntnisse sind das A und O
Die Ausbildung in der Hauswirtschaft ist ein gutes Mittel zur Integration: „Die Veränderungen, die die Frauen während ihrer Ausbildung durchlaufen, sind riesig! Die Frauen gewinnen an Selbstbewusstsein, ihr Auftreten, sogar ihre Körperhaltung verändert sich“, so Küntzler.

Man fragt sich jedoch: Gibt es keine größeren Schwierigkeiten, die manche Migrantinnen die Ausbildung nicht abschließen oder sie sogar erst gar nicht beginnen lassen? „Ja, sicher, es ist nicht immer einfach. Der Alltag in der Ausbildung kann sehr bunt und abwechslungsreich sein; unsere Teilnehmerinnen stammen aus bis zu 15 verschiedenen Ländern“, so Projektleiterin Christiane Schloffer. Probleme, dass ein patriarchaler Ehemann seine Ehefrau nicht ausbilden oder arbeiten lässt, gibt es jedoch seltener, denn die Hauswirtschaft ist ein traditionell weiblicher Bereich. „Jedoch müssen wir als Ausbilder wachsam sein, immer beobachten, ob die Frauen genügend Rückhalt von ihren Familien erhalten“, so Schloffer. Denn die Ausbildung ist anstrengend, viele Frauen stoßen an ihre Grenzen und da ist es umso wichtiger, dass sie sich auf die Unterstützung durch FiBS verlassen können.

Trotz vieler Unterschiedlichkeiten müssen alle teilnehmenden Frauen die deutsche Sprache beherrschen, sind sie doch bei der Abschlussprüfung den Muttersprachlern gleichgestellt. Michaela Küntzler: „Die Unterrichtssprache ist bei uns deutsch, davon werden wir nicht abweichen. Es kommt vor, dass eine Mitauszubildende in der jeweiligen Muttersprache dolmetscht und dadurch in einer unklaren Situation weiterhelfen kann. Das sollte allerdings nicht zur Regel gemacht werden. Außerdem versuchen wir immer, so langsam und deutlich wie möglich zu sprechen. Funktioniert eine Erklärung nicht, so formulieren wir sie eben um – bis sie verstanden wird.“

„In diesem Jahr haben sie wieder gekämpft!“
Die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung sind streng: Am Anfang steht eine umfangreiche Beratung durch FiBS. Die Migrantinnen müssen die volle Schulpflicht vorweisen können. Ein weiterer Aspekt: Sie müssen im Besitz einer Arbeitserlaubnis sein – neben guten Deutschkenntnissen in Schrift und Wort (also Niveau B1 bis B2) – die wichtigste Voraussetzung.

Außerdem – und das ist ebenfalls Pflicht – müssen die Frauen ihren eigenen Haushalt mindestens viereinhalb Jahre geführt haben. Dadurch kann man Schlüsselqualifikationen wie etwa die Belastbarkeit, Flexibilität und die Vereinbarkeit verschiedener Posten (zum Beispiel Kind und Haushalt) verzeichnen. „Wenn die Frauen nach der Ausbildung in den Beruf einsteigen, müssen sie erst recht organisieren können!“, unterstreicht Schloffer.
Erfahrungen im Gastronomie- oder Pflegebereich sind keine Voraussetzung für die Aufnahme, erleichtern den Frauen jedoch die Ausbildung immens.

Erfüllt eine Bewerberin all diese Kriterien, absolviert sie bei FiBS einen Deutsch- und Rechentest; gegebenenfalls verlangt das Jobcenter bzw. die Arbeitsagentur einen berufspsychologischen Test. Dort wird neben den Deutschkenntnissen auch Konzentration, Merkfähigkeit und Ausdauer ermittelt. Danach öffnet sich für die Migrantinnen die nächste Tür: Sie erhalten einen Bildungsgutschein.

Die Ausbildung ist für die Frauen kostenlos – allerdings nur, wenn sie eben jenen Bildungsgutschein vorlegen können. „Unsere Frauen in diesem Jahr haben wirklich hart dafür gekämpft und sich sehr gut vorbereitet!“, sagt Küntzler über ihre Schützlinge. Ob ein Bildungsgutschein, welcher vom Jobcenter bzw. von der Arbeitsagentur finanziert wird, zugestanden wird, hängt von den Test- und Prüfungsergebnissen der Frauen ab. Verständlich, denn die Arbeitsagentur möchte die Bildungsgutscheine in den richtigen Händen wissen. Er soll Aspirantinnen zugutekommen, welche die Ausbildung erfolgreich absolvieren wollen – und können.

Eva Maria Reichert

www.initiativgruppe.de

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 9/2016

Foto: Alejandro Fernandez