„Mein Motto? Agieren statt reagieren“

Am 8. Mai 2017 wurde in Berlin mit Frank Wickert-Meuser erstmals ein Mann zum Präsidenten des Berufsverbandes Hauswirtschaft e. V. gewählt. Was ihn bewegt und als Person ausmacht, darüber sprach er offen eine Stunde lang in der Bundeshauptstadt mit rhw-Chefredakteur Robert Baumann.

Was schätzen Sie an Ihrer Vorgängerin Ute Krützmann, die seit 2008 fast zehn Jahre lang zweite und dann erste Vorsitzende des Berufsverbandes Hauswirtschaft war?
Sie hat von Beginn an große Schritte gemacht und ist jemand, der Dinge auch zu Ende bringt. Und ich schätze ihre Spontanität!

Und was charakterisiert Sie selbst?
Agieren statt reagieren. Ich bin immer der Erste, der etwas sagt, auch wenn es ein Auditor oder das Gesundheitsamt mal anders sehen sollten. So haben wir unsere Wäscherei in der Klinik, die baulich keine unreine oder reine Seite hat, mit guten Argumenten und vor allem einer klaren zeitlichen Trennung zertifiziert bekommen. Darauf muss man natürlich vorbereitet sein und wissen, dass Wäsche in Rehakliniken laut RKI keine infektionsverdächtige Wäsche ist. Und was meine Mitarbeiter wohl auch schätzen: Ich verlange von niemanden, was ich nicht selbst machen würde.

Und, wenn ich das sagen darf, Sie verbreiten ansteckend gute Laune.
Danke, ich bin zwar kein Kölscher Jung, da ich aus Nordhessen stamme, kann mich aber sehr mit dem rheinischen Frohsinn und einer gesunden Gelassenheit anfreunden.

Nun sind Sie in der Geschichte des Verbandes nicht nur der erste Präsident (Anm. d. Red.: Vorstandsmitglied Wolfgang Neises war für einige Jahre zweiter Vorsitzender), sondern auch der erste Mann. Was heißt das für Sie?
Vermutlich sehe ich manche Dinge anders und ich weiß, dass ich mich in einem von Frauen geprägten Berufsfeld behaupten muss. Doch das spornt mich an, besser zu werden. Und ich finde, es tut auch dem Verband mal gut, von einem Mann geführt zu werden.

Was sind Ihre Ziele?
Ich möchte gerne begeistern, bei uns mitzuarbeiten anstatt dass Mitglieder von uns bespaßt werden. Wir machen gerade eine Postkartenaktion, bei der jede Teilnehmerin der Jahrestagung aufschreiben soll, worin sie Fachfrau ist. Denn jedes Mitglied ist in einem oder mehreren Bereichen Fachfrau und mir geht es darum, dieses Wissen in Netzwerken zusammenzuführen.

Was ist ihr Lebensmotto?
Offen und transparent sein – ich möchte nicht, dass die Leute fragen müssen: „Was macht denn der?”

Ihr Lieblingsfachbuch?
Ganz klar „Arbeiten in Hauswirtschaft nach Lernfeldern” von Cornelia Schlieper. Das Buch liegt heute noch in meinem Schrank und ist mein Nachschlagewerk für hauswirtschaftliche Fragen. Schade, dass es als Schulbuch in NRW kürzlich von einem anderen Werk abgelöst wurde.

Und ihr Lieblingsroman?
„Cafe am Rande der Welt” von John Strelecky. In diesem Buch wird all das widergespiegelt, was ich erlebt habe …

Vielen Dank für das offene Gespräch!

Interview: Robert Baumann

Das komplette Interview lesen Sie in rhw management 6/2017

Foto: Robert Baumann