Hauswirtschaft ist systemrelevant – Branchen-Stimmen

In der Corona-Krise sind die Mitarbeiter*innen der Hauswirtschaft auch unter Einsatz ihrer Gesundheit für die Bewohner da. Deshalb ist die Hauswirtschaft systemrelevant, so unsere befragten Expert*innen.

„Die aktuelle Situation um den Coronavirus zeigt wieder einmal, wie wichtig eine gute Infektionsprophylaxe in den Gemeinschaftseinrichtungen ist. Und trotzdem wird durch Ausgliederung der Dienstleistungstätigkeiten und durch dadurch verbundene Dumpingangebote in diesem Bereich immer mehr gespart. Bereits am 3. März veröffentlichte der DHWiR eine Pressemitteilung mit dem Fokus auf die Kompetenzen der hauswirtschaftlichen Fachkräfte. Sie sind in Pflegeeinrichtungen in der Lage, wirksame Maßnahmenpläne für eine gelingende Hygiene zu erstellen und umzusetzen. Und auch ver.di fordert in den Einrichtungen einen bestmöglichen Hygienestandard. Hierzu sind festgelegte Personalvorgaben nötig. Endlich, kann man da nur sagen. Nicht nur das Pflegepersonal, sondern auch die Mitarbeiter aus der Hauswirtschaft sind „systemrelevant.“ (Martina Schäfer, dgh Vorstand)

„Es wird gerade vielen Alltagsheldinnen und -helden für Ihren Einsatz gedankt und das ist auch richtig so. Wir danken Ihnen aus der Hauswirtschaft hiermit ganz besonders!
Wir wissen, dass Sie derzeit damit beschäftigt sind, Schutzausrüstung zu bestellen oder gar zu nähen, zu reinigen, zu waschen und Menschen in Hilfesituationen weiterhin zu versorgen. Die bisher eingeübten Routinen werden täglich neu angepasst und Sie und ihre Kolleginnen sorgen dafür, dass das alles weiter läuft. Dies ist wichtig, da ihre Bewohner*innen und Nutzer*innen zu den besonders verletzlichen Gruppen gehören, die derzeit geschützt werden müssen. Und das ginge ohne Hauswirtschaft überhaupt nicht!
Wir hören von HBLs, die im Heim übernachten, damit die Bewohner*innen weniger Gefahren der Übertragung haben. Und von Hauswirtschafterinnen, die alles tun, damit die Stimmung in Ihren Einrichtungen und Diensten nicht in Hysterie, Panik oder schlicht Depression aufgrund der momentanen Einschränkungen umschlägt.
Wir vom Projekt oikos-plus versuchen bestmöglich für die Hauswirtschaft da zu sein und Sie zu unterstützen. Wenn es etwas gibt, wobei Sie aktuell unsere Hilfe brauchen, geben Sie uns bitte Bescheid!“ (Ursula Schulraft, Diakonie Württemberg)

„Hauswirtschaft ist mehr, nein sie ist ALLES! Denn was wäre gerade im Land los, wenn in den Kliniken, den Heimen und in den besonderen Wohnformen die Wäsche nicht fachgerecht gewaschen wird? Wenn das Essen nicht unter HACCP-Bedingungen gekocht wird? Wenn die Sanitäranlagen nicht nur mit viel Einsatz sondern oft auch mit Überwindung gereinigt werden?

WER sorgt denn vor allem in kleineren Einrichtungen für die Beschaffung der Desinfektionsmittel? Wer teilt das wenige Hauswirtschafts-Personal bedarfsgerecht ein und erfindet laufend neue Lösungen für diesen Zustand, der gerade herrscht? Da müssen Ausdrucke kreiert werden, Informationen gefiltert und kommuniziert werden… Bedarfslisten und Rationalisierungspläne gemacht werden.
Altgediente Systeme in der Lebensmittelversorgung müssen nun plötzlich und schnell (und natürlich kostengünstig) umgestellt werden, um die Versorgung zu sichern.

Das heißt: Organisieren, bearbeiten, wieder umplanen, Protokolle und Notizen schreiben, Listen erneuern und darauf vorbereitet sein, dass es noch schlimmer in den Einrichtungen kommt. Gleichzeitig keine Panik aufkommen lassen und trotzdem mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Da werden Überstunden im Namen der Verantwortung geschoben bis zu Erschöpfung. Und dabei gehofft, dass man durchhält und die eigene Familie nicht belastet…
Warum nur passiert unsere Arbeit im Verborgenen? JETZT ist es an der Zeit sich bemerkbar zu machen!“ (Bina Bauer auf Facebook bei rhw management)

„Die Mitarbeiter*innen benötigen eine souveräne Hauswirtschaftsleitung. Diese schafft durch verlässliche Vorgaben einen sicheren Rahmen für das Handeln. Natürlich wird es im Verlauf dieser besonderen Situation immer wieder zu Veränderungen und Abweichungen
vom Idealzustand geben. Denn wenn Mitarbeiter*innen ausfallen oder Hilfs- und Schutzmittel nicht ausreichend vorhanden sind, muss improvisiert werden. Es gilt, mit den vorhandenen
Möglichkeiten den maximalen Effekt zu erreichen.
Dieses ist die anspruchsvollste Stufe professioneller Arbeit. Denn es muss parallel allen Mitarbeitenden vermittelt und mit diesen kompetent umgesetzt werden. Gleichzeitig gilt es mit den Gesundheitsbehörden konstruktiv zusammenzuarbeiten und den Vorgesetzten die notwendigen Handlungsabläufe ungeschönt konsequent zu vermitteln.
Besonders dieses Umgehen mit defizitären Situationen schafft Unsicherheiten. Diese dürfen nicht beschönigt, sondern müssen klar benannt werden. Aufbauend darauf können dann die aktuell notwendigen Maßnahmen mit mehr Verständnis kommuniziert werden. Dadurch zeigt sich Führungsstärke auf der Grundlage gesicherten Fachwissens. Dies hat auch immer Raum für Fehler, wenn diese offen benannt und lernend ausgewertet werden. Dieses Lernen im Arbeitsalltag ist eine außerordentliche Kompetenz.
In diesem Sinne steht mein abendlicher Beifall für all die engagierten hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden, die kontinuierlich, kompetent und mit Herz ihre wichtigen Dienstleistungen für ihre Kunden in allen Bereichen erbringen.“ (rhw-Experte Sascha Kühnau)

Wie geht es Ihnen in Zeiten von Corona, schreiben Sie uns gerne an rhw.redaktion(at)vnmonline.de !

Danke für die Abbildung an VISUTRAINMENT !