Gute Laune hat bei uns der Feel-Good-Manager

In einer Stellenausschreibung für einen FGM (Feel-Good-Manager) war kürzlich der folgende Satz zu lesen: „Für Sie als Senior Manager bedeutet das nicht nur eine Sorge weniger – denn Sie können sich voll und ganz auf Ihre Aufgaben konzentrieren und erfreuen sich gleichzeitig an einem motivierten Team.“ Abgesehen davon, dass ‚sich um den Mitarbeiter kümmern’ als Sorge bezeichnet wird – ist es wirklich so einfach, das Ganze zu delegieren?

In den 1980er Jahren gab es den Kalauer: „Für die Qualität ist bei uns der Qualitätsmanager zuständig!“ Kommt das jetzt wieder auf uns zu? Es hat sehr lange gedauert, bis in den Unternehmen wirklich jedem klar wurde, dass Qualität nicht angeordnet und von einem Manager beaufsichtigt werden kann, sondern dass Qualität entsteht. Sie entsteht unter anderem durch sorgfältiges Arbeiten in dem Bewusstsein, dass Qualität ´jeden in der Prozesskette beteiligten Menschen angeht. Sind wir also gerade dabei, die nächste Welle von Verantwortung zu delegieren (um nicht wegschieben zu sagen)?

Was ist ein Feel-Good-Manager?
Ein Feel-Good-Manager (FGM) sorgt für das Wohlergehen der Mitarbeiter, ist eine Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und für die emotionale Unterstützung im Unternehmen zuständig. Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht! Eine große Gefahr besteht darin, dass sich Führungskräfte komplett von den Menschen entkoppeln, die in dem Unternehmen arbeiten. Das Management zieht sich nur noch auf die Leitung eines Unternehmens zurück und überlässt die Führung der Mitarbeiter einer Stabsstelle.

Inhaltlich richtig, nur falsch positioniert
Die Inhalte, welche dem FGM zugeordnet werden, sind zu begrüßen und dienen sicherlich dazu, eine Unternehmenskultur zu etablieren, bei der es sehr viel Freude bereitet, zu arbeiten. Gesunde Ernährung, Bewegung am Arbeitsplatz, Teams treffen sich in lockerer Atmosphäre in einem Café … um nur einige Beispiele zu nennen, stärken den Team-Gedanken und das Zusammengehörigkeitsgefühl. In einem solchen Umfeld arbeiten viele Menschen gerne und fühlen sich wohl. Einzig die Frage bleibt: Warum wird das nicht von der jeweiligen Führungskraft initiiert und unterstützt? Dabei muss nicht jedes Treffen in einem Café vom ‚Chef’ organisiert werden. Ideen zur gesünderen Ernährung in der Kantine dürfen gerne von jedem Einzelnen eingebracht und dann gemeinsam diskutiert werden. Wozu also eine zusätzliche Schnittstelle?

Marcus König

www.menschbusiness.de

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 4/2016

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