Fit für den Haushalt?!

Mitte Februar 2016 wurde in Berlin das dgh-Rahmen-Curriculum zur Qualifizierung für haushaltsbezogene Dienstleistungen auf einer Tagung erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten Reaktionen auf das Curriculum sind sehr positiv und es wird von Bildungsträgern bei Maßnahmen auch schon eingesetzt. Kann es auch dazu beitragen, das schlechte Image der Arbeit im Privathaushalt zu verbessern?

Bisher war die Erwerbsarbeit im privaten Haushalten noch kein Erfolgsmodell. Es gibt über vier Millionen irregulär beschäftigte Haushaltshilfen im Privathaushalt und lediglich 295.000 Beschäftigte mit Minijob. Seit rund zwei Jahren haben Start up-Unternehmen wie Helpling oder Book a Tiger die Branche für sich entdeckt. Doch die erste Euphorie ist schon wieder vorbei. So hat der amerikanische Putzdienst-Vermittler Homejoy Mitte letzten Jahres aufgegeben und im April 2016 das Portal TidyHub. Neben einem aggressiven Preiskampf gab es Debatten über die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte, die als Freiberufler agieren, sozial nicht abgesichert sind und von ihrem geringen Stundenlohn auch noch eine Provision abtreten müssen. Generell haben die Vermittlungsdienste große Probleme, überhaupt Mitarbeiter zu gewinnen und auf der anderen Seite sind die Haushalte mit der Qualität der erbrachten Dienstleistung oft auch nicht zufrieden.

Dies ist die Chance für professionell arbeitende Dienstleistungsunternehmen, die derzeit so stark nachgefragt werden, dass sie oft schon mit Wartelisten arbeiten müssen. „Es gibt Kunden, die warten drei bis vier Monate, bis wir sie bedienen können“, so die Vorsitzende Dürt Wolf von der Allianz Haushaltsnahe Dienstleistungswirtschaft (AHDW).

Ein Beispiel dafür ist Casa Blanka in Düsseldorf. Das Unternehmen bietet haushaltsnahe Dienstleistungen an und beschäftigt über 100 Haushaltshilfen. Zum Kundenstamm zählen über 700 private Haushalte und öffentliche Einrichtungen. Und auf der Warteliste stehen weitere 270 Interessenten! Casa Blanka wurde 1998 als Modellprojekt gegründet und entsprechend gefördert. Doch seit 2005 läuft das Unternehmen auch ohne Fördergelder sehr erfolgreich. Die Kunden schätzen an Casa Blanka vor allem die hohe Zuverlässigkeit und Servicebereitschaft, rund 97 Prozent der Kunden würden laut einer Befragung das Unternehmen weiterempfehlen. Einziges Problem ist der Personalmangel. „Ein Haupthandicap ist, dass die Leute nicht in der Hauswirtschaft arbeiten wollen“, sagt Betriebsleiterin Birgit Malzahn (siehe den ausführlichen Artikel dazu in rhw praxis 1/2016)

Image-Aufwertung durch Qualifizierung
Die Arbeit im privaten Haushalt hat immer noch ein schlechtes Image, es gibt eine nur geringe Wertschätzung gegenüber diesen Tätigkeiten und deshalb haben fast alle Unternehmen, die haushaltsnahe Dienstleistungen anbieten, große Probleme, Mitarbeiter zu finden.

„Wir brauchen unbedingt eine Imageverbesserung und Aufwertung dieser Arbeit und da führt an einer Qualifizierung der Haushaltshilfen kein Weg vorbei“, sagte Prof. Uta Meier-Gräwe auf der Tagung „Qualifizierung für haushaltsnahe Dienstleistungen“ Mitte Februar 2016 in Berlin. Prof. Meier-Gräwe ist Projektleiterin des „Kompetenzzentrums Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen“ in Gießen, das zu der Tagung eingeladen hatte.

Seit Oktober letzten Jahres steht das dgh-Rahmen-Curriculum zur Verfügung. Prof. Meier-Gräwe sieht dies als richtigen Weg: „Wir brauchen ein solches modularisiertes System, das offen nach oben und nach unten ist. Es geht hier um anschlussfähige Einstiegs-, Umstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten, anders kommen wir nicht zu motivierten Beschäftigten in diesem Bereich.“

Das Rahmen-Curriculum, das gemeinsam vom Kompetenzzentrum und der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) herausgegeben wurde, findet allgemein viel positive Resonanz. Sowohl von Dienstleistungsunternehmen als auch von Verbänden, der Politik und der Arbeitsagentur kam auf der Tagung in Berlin viel Lob für das Konzept.

„Ich finde, das ist ein fantastischer Anfang. Es gibt bereits gute Beispiele, wo mit dem Curriculum gearbeitet wird. Das muss zukünftig flächendeckend passieren“, sagte beispielsweise die Vorsitzende des Bundesverbandes haushaltsnaher Dienstleistungsunternehmen, Jutta Jetzke. Und von Seiten der Unternehmen bestätigt auch Birgit Malzahn von Casa Blanka: „Das Curriculum geht für mich ganz klar in die richtige Richtung. So können wir jeden auf dem Stand seiner Fähigkeiten abholen und Mitarbeiter so qualifizieren, wie die Arbeitgeber im privaten Haushalt es brauchen.“

Alexandra Höß

Foto: Alexandra Höß

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 4/2016 und in der rhw praxis-Ausgabe 1/2016 mit dem Schwerpunktthema „Haushaltsbezogene Dienstleistungen“