Essenskniffe für die Kita

Damit Essen erst gar nicht zum Problem im Leben von Kindern wird, dafür kann man ein Stück weit auch in der Kita sorgen. Was dabei helfen kann, dass Kinder ihr Geschmacksempfinden kennen lernen und intensivieren, weiß Ernährungswissenschaftlerin Dr. Petra Forster im rhw-praxis-Interview.

Welche Probleme sehen Sie vorrangig in unserem derzeitigen Ernährungsstand?
Wir nehmen zu wenige Ballaststoffe zu uns. Der Mensch hat vor 100 Jahren noch täglich zirka 100 Gramm Ballaststoffe zu sich genommen. Heute sind es durchschnittlich gerade noch zirka 24 Gramm. Aber unsere Darmzotten benötigen Ballaststoffe, denn sie beziehen ihre Energie aus deren Abbau. Eine Möglichkeit, um schnell und einfach ballaststoffreiche Produkte in den Alltag zu integrieren: Knäckebrot und Vollkornzwieback. Sie bereiten der Küche keinen zusätzlichen Aufwand – und da sie zweimal gebacken wurden, sind sie leichter verdaulich.

Weniger Mikronährstoffe nehmen wir auch durch das Wasser zu uns, da wir oft industriell abgefülltes Wasser trinken. Allerdings enthält manches Flaschenwasser lediglich fünf Milligramm Calcium pro Liter – Leitungswasser dagegen zwischen 50 und 90 Milligramm pro Liter. Gerade in Deutschland ist unser Leitungswasser in den meisten Fällen sehr gut und vollkommen genießbar.

Ferner nehmen wir zu wenige „gute“ Bakterien auf, da heutzutage vieles sterilisiert und pasteurisiert bzw. über Doppelentkeimung eine verlängerte Haltbarkeit angestrebt wird.

Wie kann man die Neugierde von Kindern auf neue Geschmacksnuancen wecken?
Ich rufe nicht zum Spiel mit Lebensmitteln auf, aber es ist wichtig, dass Kinder Nahrungsmittel mit allen ihren fünf Sinnen kennen lernen dürfen: Wie klingt es, wenn ich eine Karotte in der Mitte durchbreche? Wie fühlen sich Reiskörner zwischen meinen Fingern an? Außerdem ist es wichtig, Kinder nicht unter Druck zu setzen. Daher sollten sie nicht mit einem vollen Teller konfrontiert werden, sondern stattdessen immer eine kleine Portion nach der anderen erhalten. Erst durch das mehrmalige Kennenlernen von Lebensmitteln in verschiedenen Zubereitungen, durch Wiederholung also, wird der Bezug zum Essen verstärkt und es entwickelt sich eine so genannte neurologische Bahnung für bestimmte Verdauungsprozesse. Es ist wichtig, dass das Kind Zeit hat, um Vertrauen aufbauen zu können und das Gehirn wiederum Zeit hat, um die Ausschüttung notwendiger Verdauungssekrete zu erlernen.

Sollte es dem Kind beim ersten Mal nicht schmecken, darf man sich also nicht unterkriegen lassen, sondern sollte stattdessen die Zutaten in einer anderen Weise zubereiten. Bei meinen Kindern zum Beispiel wurden Zucchini-Brätlinge zum absoluten Renner, wohingegen ich sie zuvor vom Zucchini-Auflauf nicht überzeugen konnte.

Wollen Jugendliche oder gar Erwachsene ihr Ernährungsverhalten umstellen, so benötigen sie einen langen Atem. Denn oft müssen sie bei null anfangen, denn teilweise haben sie nie erfahren, wie eine vielseitige, abwechslungsreiche und gesunde Ernährung aussieht. Wichtig ist auch hier, mit kleinen Portionen zu beginnen, denn dem „ungeübten“ Verdauungssystem sind manche Inhaltsstoffe fremd.

Was ist zu beachten, wenn man für Kinder kocht?
Einiges! Das meiste kann man allerdings mit der Zeit gut in den Alltag integrieren. Gutes Essen fängt bereits beim Einkauf an. Der Einkäufer sollte einen Blick für Frische entwickeln – und da kommen Farben ins Spiel. Es ist wichtig, dass man beachtet, welche Farbe das Obst oder Gemüse aufweist. Eine Gurke beispielsweise kann verschiedene Grüntöne haben, welche unterschiedliche Reifegrade bedeuten. Man sollte sich aber immer fragen: Woher rührt das Hellgrün der Gurke? War die Bodenpflege unzureichend oder wurde sie zu lange gelagert und weist daher weniger Vitamin C auf?

Die Farbe ist für die Bestimmung des Reifegrads immer ein guter Indikator: Je intensiver die Farbe eines Lebensmittels ist, desto reifer ist es. Auch kann man auf diese Weise die Frische und manche Inhaltsstoffe des Produktes einschätzen.

Bei Ölen ist die Farbintensität ebenfalls ein wichtiger Anhaltspunkt. Je intensiver die Farbe, desto mehr Carotinoide (Vorstufen von Vitamin A; Anm. d. Red.) enthält das Öl. Ich bedauere sehr, dass häufig monokausale Ernährungsempfehlungen verbreitet werden und diese einseitig in „gut“ und „schlecht“ unterteilt werden. Denn sicher ist Distelöl „gut“, um das Gesamt-Cholesterin im Blut zu senken, doch es senkt eben auch die guten Cholesterinanteile. Zudem ist es sehr hell, ähnlich wie Sonnenblumenöl, und enthält damit wenig sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Senkung des Krebsrisikos beitragen können. Ein Öl mit intensiverem Gelb oder Grün wie etwa Raps- und Olivenöl bringt zusätzliche Vorteile.

Interview: Eva Maria Reichert

www.spuer-sinn.de

Das komplette Interview lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 3/2016

Foto: privat