Ein zweiter Blick auf Verbrauchsmaterialien

Die Beschaffung von Verbrauchsmaterialien wie Reinigungschemie oder Hygienepapiere gehört nicht zu den beliebtesten Aufgaben, die meisten kümmern sich nur ungern darum. Dabei lassen sich in diesem Bereich oft Einsparungen im zweistelligen Bereich erzielen. rhw praxis sprach mit Fadime Sarikaya, Inhaberin des Unternehmens sarikohn, über den interessanten Markt der C-Artikel.

Zu den Aufgaben der hauswirtschaftlichen Führungskräfte in Gemeinschaftseinrichtungen gehört in der Regel der Einkauf von Verbrauchsmaterialien. Oft wird der Beschaffungsprozess nicht weiter hinterfragt. Warum lohnt es sich, hier generell einmal genauer hinzusehen?

Betrachtet man das Einkaufsvolumen in der Hauswirtschaft, liegt der Anteil der Verbrauchsmaterialien unter fünf Prozent vom Gesamteinkauf. Die Artikelanzahl und der Aufwand im Vergleich zu den umsatzstärkeren Einkaufsbereichen sind jedoch für Verbrauchsmaterialien extrem hoch. Oft handelt es sich um 500 bis weit über 1.000 Artikel, die den Einkäufern oft in dieser Vielfalt nicht bewusst sind. Diese Anzahl hat auch Auswirkungen auf die nachgelagerten Prozesse, wie Anzahl der Rechnungen, Anzahl der Kreditoren, Anzahl der Lieferantengespräche, die Zeit kosten!

Ein typisches Beispiel sind Standardprodukte wie etwa zweilagiges Toilettenpapier, 250 Blatt auf der Rolle in weiß aus Recyclingmaterial. Da die Angebote hier, angefangen von den Herstellern über Eigenmarken des Handels, sehr groß sind, lohnt es sich auf jeden Fall, einen genauen Blick in die eigene Sortimentsvielfalt zu werfen.

So genannte Systemartikel, insbesondere im Waschraum oder bei Wischsystemen, können darüber hinaus zu erheblichen Zeiteinsparungen im täglichen Prozess führen.

In der Gesamtbetrachtung sind wirtschaftliche Vorteile und Einsparungen im zweistelligen Bereich zu erzielen. Meine Empfehlung ist es daher, die Verbrauchsmaterialien genauer zu betrachten bzw. diese mit einem „zweiten Blick“ zu würdigen.

Verbrauchsmaterialien fallen in die Kategorie der C-Artikel. Warum ist das so und wie definiert man eigentlich C-Artikel?

Eine typische ABC-Analyse gibt an, welche Produkte am stärksten am Einkaufsumsatz eines Unternehmens beteiligt sind, also A, und welche am wenigsten, also C. Das bedeutet: C-Artikel haben in der Gesamtbetrachtung des Einkaufs ein geringes Einkaufsvolumen, der Aufwand der Beschaffung ist jedoch sehr hoch. Oft fehlt die Zeit, sich um die Artikel zu kümmern, so dass dieser Bereich im Einkauf eher eine sekundäre Rolle spielt.

Zu den so genannten C-Artikeln gehören vor allem Büromaterial oder die Klassiker wie Hygienepapiere, Reinigungsmittel, Reinigungsequipment oder Abfallsäcke. Die Anzahl und Vielfalt dieses Sortimentes ist extrem hoch im Vergleich zu den A- und B-Artikeln.

Oft mangelt es auch an Fachwissen, um sich in diesem Sortiment sicher bewegen zu können. Gefördert wird dies auch durch die fehlende Markt-Transparenz in diesem Sortiment. Das ist von den Herstellern teilweise auch so gewollt, jeder beschreibt sein Produkt anders. Bei Hygienepapieren beispielsweise nennt ein Hersteller eine bestimmte Faltung C-Faltung, der andere jedoch D-Faltung, im Prinzip ist es jedoch dasselbe.

Jede Beschaffung umfasst typische Arbeitsabläufe. Ein typischer Bestellvorgang dauert in der Regel rund eine Stunde und 45 Minuten! Je mehr im so genannten C-Artikel-Bereich also standardisiert werden kann, desto geringer sind die gesamten Einkaufskosten. Daher lohnt sich mit Sicherheit zu prüfen, welche Gewinnmöglichkeiten man durch die Optimierung des Einkaufes erzielen kann.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Interview: Alexandra Höß

www.sarikohn.de

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 1/2017

Foto: sarikohn