Brandschutz: teuer, aber lebensrettend!

Nach dem Hochhausbrand in London mit mindestens 79 Toten ist das Thema Brandschutz wieder sehr aktuell und vielen wieder in seiner Bedeutung bewusst geworden. Mehr als einmal pro Woche brennt es in einem Altenheim in Deutschland. Dabei gibt es eine Vielzahl von Brandschutzmaßnahmen. rhw praxis sprach darüber mit Cornelia Schwab, Hauswirtschaftliche Betriebsleitung im Generationenzentrum Sonnenberg in Stuttgart.


Wenn in einer Wohnung ein Feuer ausbricht, können sich die Betroffenen oft selbst retten. Das sieht in Altenheimen anders aus, denn die meisten Bewohner sind pflegebedürftig oder dement und können sich im Notfall nicht selbst aus der Gefahrenzone bringen. Daher ist auch das Risiko, in einer Alteneinrichtung durch ein Feuer zu sterben, sechsmal so hoch wie in einer durchschnittlichen Wohnung.
Patienten -und Technikerverbände fordern aktuell eine Sprinkleranlagen-Pflicht für Alten- und Pflegeheime. So hält es die Deutsche Stiftung Patientenschutz beispielsweise für absurd, dass Sachwerte in Großlagern besser geschützt sind als Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Bisher überlässt der Gesetzgeber dem Betreiber, ob Sprinkleranlagen eingebaut werden. Dies sieht zum Beispiel in den USA anders aus, hier sind entsprechende Anlagen flächendeckend in Kliniken und Heimen installiert.
Trotzdem wird auch in Deutschland eine Menge für den Brandschutz getan. Und wie in anderen Bereichen auch gibt es Einrichtungen, die hier geradezu vorbildlich aufgestellt sind. Und wiederum solche, die es bei Minimalmaßnahmen belassen. Immer wieder fällt in Einrichtungen auf, dass Brandschutztüren mit einem Keil offen gehalten werden oder Notausgänge verstellt sind.
Experten raten Angehörigen bei der Wahl einer Einrichtung direkt auch nach dem Brandschutz zu fragen: Gibt es Brandschutzmelder in jedem Zimmer, die automatisch die Feuerwehr alarmieren? Gibt es einen Brandschutzbeauftragten? Ist offenes Feuer und Rauchen in den Zimmern verboten?

„Man fühlt sich sicher bei uns“
„Der Brandschutz hat bei uns eine hohe Bedeutung. Das ist schon auch eine Kostenfrage, aber man fühlt sich sicher bei uns“, erzählt Cornelia Schwab, Hauswirtschaftliche Betriebsleitung im Generationenzentrum Sonnenberg. Das Haus beherbergt neben einer stationären Pflegeeinrichtung mit 167 Plätzen auch einen Kindergarten.
In Baden-Württemberg gibt es laut Schwab strenge Gesetze zum Brandschutz, die schon bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Vor der Eröffnung muss eine Brandverhütungsschau durchgeführt werden. Die Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin hat den Eindruck, dass die Vorgaben zum Brandschutz in letzter Zeit strenger geworden sind. „Manchmal frage ich mich schon, ob es überhaupt noch wohnlich aussieht auf den Fluchtwegen.“ Beispielsweise dürfen Möbelstücke die Fluchtwege nicht einengen und müssen schwer entflammbar sein. Auch Bastelarbeiten von Bewohnern dürfen auf Fluchtwegen nicht aufgehängt werden.
Brandschutz-Experten sehen generell ein höheres Brandrisiko durch die modernen Altenheimkonzepte, bei denen die kargen Flure und davon abgehenden Zimmer abgelöst wurden durch Wohngemeinschaftskonzepte mit Fluren, die aufgewertet wurden zu Kommunikationsbereichen mit Sitzecken, Wandschmuck und Deko-Elementen. Dadurch ging die ursprüngliche Funktion der Flure als reine Erschließungs- und Rettungswege verloren.
Ein weiterer Grund für ein erhöhtes Brandrisiko in den Heimen ist das zumeist hohe Alter der Bewohner einhergehend mit einer eingeschränkten Mobilität sowie Demenzerkrankungen. Eine Selbstrettung der Bewohner ist damit fast unmöglich.

Wohngruppen sind besonders gefährdet
Besonders moderne Wohngruppen mit mehr als zehn Personen sind gefährdet, deshalb gibt es seit 2004 „Brandschutzanforderungen an den Bau und Betrieb von Altenpflegeheimen mit Gruppenwohnbereichen“. Gefordert wird hier ein Brandschutzkonzept für jedes Heim mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg haben noch weiterreichende Richtlinien.
Laut Cornelia Schwab wird in ihrer Einrichtung sehr darauf geachtet, dass die Rettungswege und auch die Brandschutztüren freigehalten werden, beispielsweise kein Servierwagen davor gestellt wird. „Hier ist die Information aller Mitarbeiter zum Thema Brandschutz ganz wichtig.“
So bekommt jeder neue Mitarbeiter die Brandschutzordnung der Einrichtung ausgehändigt und in regelmäßigen Abständen wird dazu informiert, wie man sich im Brandfall verhalten muss. Zunächst sollte Ruhe bewahrt werden, dann muss man wissen, wo man den Brand melden soll, wie man die Bewohner in Sicherheit bringt, wie man selbst löscht. Und grundsätzlich sollte man natürlich wissen, wie man Brände verhütet.

Mehr zum Thema lesen Sie in rhw praxis 2/2017 „Wohnformen und Bauvorschriften in der Hauswirtschaft“.