Azubis lernen im Team

Das Evangelische Bildungs- und Tagungszentrum (EBZ) Pappenheim kann sich damit schmücken, zu den fortschrittlichsten Ausbildungsbetrieben für Hauswirtschaft in Bayern zu gehören. Als Gewinnerin des Wettbewerbs „Innovativer Ausbildungsbetrieb“ wurde Hauswirtschaftsleiterin Birgit Keitel im letzten Jahr dafür vom bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ausgezeichnet. rhw management stellt das Ausbildungskonzept vor.

Die Fachjury des Wettbewerbs würdigte, dass das Ausbildungskonzept einen besonderen Wert auf eigenständiges, projektorientiertes Arbeiten der Auszubildenden in Gruppen, die kontinuierliche Optimierung der Arbeitsabläufe sowie die Nachhaltigkeit legt.

Landwirtschaftsminister Brunner betonte in seiner Laudation, dass auch die Mitarbeiter im hauswirtschaftlichen Bereich sich die Grundphilosophie der Bildungsarbeit „Lebenslanges Lernen“ zu Eigen gemacht haben. „Ein großes Kollegium an hauswirtschaftlich ausgebildeten Fachkräften fördert die Lernprozesse und die Eigenständigkeit der Jugendlichen. Alle an der Ausbildung Beteiligten arbeiten in beispielhafter Weise in Gruppen zusammen“, lobte Brunner.

Am EBZ werden Jugendliche seit 1970 in der Hauswirtschaft ausgebildet. Die bisherigen Auszubildenden hatten alle zunächst ein Berufsgrundschuljahr absolviert und kamen dann für das 2. und 3. Ausbildungsjahr ins EBZ. Neu ist, dass seit August letzten Jahres eine dreijährige duale Ausbildung möglich ist.

Normalerweise sind immer vier Auszubildende im Haus: zwei im 2. und zwei im 3. Ausbildungsjahr. „Wir im EBZ fühlen uns sehr für unsere Auszubildenden verantwortlich. Bei Auszubildenden mit intaktem Elternhaus ist die Ausbildung oft ein Selbstläufer. Manchmal haben wir aber Auszubildende, die nicht diesen Background haben, und für die sind wir auch so etwas wie ein Zufluchtsort mit Familienanschluss“, sagt Birgit Keitel. Da beginne die Ausbildung oft erst mit einfachen lebensnahen Dingen, die die Azubis normalerweise im Elternhaus lernen sollten.

Organisation der Hauswirtschaft
Die Hauswirtschaft im EBZ gliedert sich grundsätzlich in vier Schwerpunkte. Da ist zunächst die Küche. Es werden rund 100 bis 110 Gäste am Tag verpflegt. Es gibt laut Birgit Keitel eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Küchen- und Hauswirtschaftsleitung, besonders bei der Ausbildung. „Neuerungen in der Ausbildung oder auftretende Probleme werden auf dem kleinen Dienstweg am besten geklärt“, so die HWL.

Der zweite Bereich ist der Service in den Speisesälen und Tagungsräumen und der dritte Bereich die Reinigung. Dazu gehören alle Grund-, Unterhalts- und Sichtreinigungen im kompletten Freizeit-, Übernachtungs-, Tagungs- und Servicebereich. Der vierte Bereich ist die Wäscherei. Eine eigene Wäscherei ermöglicht laut Birgit Keitel sowohl im Personaleinsatz als auch im Vorhalten der Wäsche hohe Flexibilität- und die Ausbildung profitiert zusätzlich davon. Die Bereiche Reinigung, Service und Wäscherei sind direkt der Hauswirtschaftsleitung unterstellt.
Für die Arbeiten in den einzelnen Gästehäusern, im Tagungs-, Wäscherei- und Servicebereich sind Hauswirtschafterinnen zuständig, ihnen unterstehen alle Wirtschaftshilfen(angelernte Mitarbeiter/innen) und Auszubildenden.

Innovative Ausbildungsansätze
In allen Bereichen wird in Zweier-, oder Dreier-Teams zusammengearbeitet, je nach Art und Umfang der anstehenden Tätigkeit. Ein Zweier-Team besteht aus Hauswirtschafterin und Auszubildende, ein Dreier-Team aus Hauswirtschafterin, Auszubildende und Wirtschaftshilfe. „Die Arbeit im Team macht es für neue Azubis leichter“, sagt die HWL. Gerade diese Arbeit in Gruppen würdigte die Fachjury des Ausbildungswettbewerbs auch als besonders innovativ.

Ein großer Vorteil im EBZ ist laut Birgit Keitel, dass es nur sehr wenig Mitarbeiterwechsel gibt. Die durchschnittliche Länge der Arbeitsverhältnisse in der Hauswirtschaft beträgt zurzeit 11,8 Jahre.
„Für die lang gedienten Wirtschaftshilfen ist klar, dass sie einspringen und uns zum Beispiel bei Urlaub unterstützen muss. Unsere Auszubildenden profitieren von dem Erfahrungsschatz und der Bereitschaft des Personals, die unerfahrenen Azubis zu unterstützen“, erklärt die HWL.

Von den jungen Arbeitskräften wird vom ersten Tag an Engagement und Einsatzbereitschaft erwartet. „Denn die Erfahrung hat gezeigt, je mehr sie von Anfang an selber machen, desto besser können sie das Gezeigte und Erklärte auch behalten.“

Das Basiswissen vermitteln Leitungsebene und die Hauswirtschafterinnen. Dokumentiert wird dies in eigens dafür konzipierten Listen. Es wird zum Beispiel auch abgesprochen, wann spezielle Geräte und Maschinen in den Arbeitsablauf passen und mitgeschult werden sollen. Die Hauswirtschafterinnen, die HWL und ihre Stellvertretung stehen in engem Kontakt, um die Auszubildenden speziell bei Schwächen gut unterstützen zu können.

Birgit Keitel ist es ein Anliegen, dass sich die Mitarbeiter auch in der ganzen Arbeit rund um die Prozesse der Zertifizierung wiederfinden, und zwar für sich und ihren Arbeitsplatz und nicht nur für das Haus. „Die erste Zertifizierung nach LQW (Lernorientierte Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung) war für unsere Mitarbeiterinnen schwere Kost“, gibt die HWL zu. Daraus habe man gelernt und die nächste Zertifizierung nach EMAS (freiwilliges Umweltmanagement) so aufbereitet, dass auch die Mitarbeiterinnen sich für ihren jeweiligen Bereich engagiert mit einbringen konnten.

Nach dem Motto „lebenslanges Lernen“ finden in der Hauswirtschaft verschiedene hausinterne Schulungen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen statt. Neben den sowieso notwendigen Sicherheits- und Hygieneschulungen sollen die Mitarbeitenden immer auf dem Laufenden gehalten werden, wenn es zum Beispiel um umweltrelevante Aspekte oder andere Neuerungen geht. Schulungsthemen sind beispielsweise: Einsatz der Maschinen in der Waschküche außerhalb der Stromstoßzeiten, umweltverträgliche Reinigungsmittel, der Einsatz regionaler/saisonaler und nach Möglichkeit biologischer Ware in der Küche sowie Müllvermeidung und Mülltrennung.

Alexandra Höß

www.ebz-pappenheim.de

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 5/2016

Fotos: EBZ