Aluminium – die Dosis macht das Gift

Kaum ein chemisches Element wird in der Öffentlichkeit so stark diskutiert wie Aluminium. Kann man Alufolie, aluminiumhaltige Deos oder Alu-Grillschalen überhaupt noch verwenden? Die Verunsicherung bei Verbrauchern ist groß. Ist Aluminium wirklich eine unterschätzte Gesundheitsgefahr oder wird das Thema derzeit etwas aufgebauscht?

Aluminium hat in den letzten 100 Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Ob in der Flugzeugindustrie, bei der Wasseraufbereitung oder in der Medizin: Überall ist Aluminium wegen seiner Leichtigkeit und hervorragenden Barriere-Eigenschaften geschätzt. Auch in der Natur ist es weit verbreitet: So ist es das dritthäufigste Element der Erdkruste, deshalb tritt es in fast allen Lebensmitteln und auch im Trinkwasser auf.

Die Dosis macht jedoch das Gift. Es besteht kein Zweifel, dass Aluminium bei hoher Aufnahme neurotoxisch wirkt. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann sich Aluminium negativ auf das Nervensystem, die Knochenentwicklung, die Fruchtbarkeit und das ungeborene Leben auswirken. Jedoch ist laut BfR bei der Aufnahme über die Nahrung die akute Toxizität sehr gering.

Aluminium wird nur in geringen Mengen in den Körper aufgenommen. Bei gesunden Menschen wird es vorrangig über die Nieren ausgeschieden. Tierversuche haben gezeigt, dass man für eine chronische Vergiftung über lange Zeiträume jeden Tag mehr als 50 bis 100 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen müsste.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Aluminium eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für die orale Aufnahme über die Nahrung festgelegt.
Experten gehen allerdings davon aus, dass wir, so wie wir heute leben, den von den EFSA vorgegebenen Wert meist überschreiten. Denn wir nehmen Aluminium nicht nur über die Nahrung, sondern beispielsweise auch über aluminumhaltige Antitranspirantien und Bedarfsgegenstände wie Alufolie oder Kochgeschirr auf. Auch in anderen Kosmetika wie Lippenstift kann Aluminium als Farbpigment enthalten sein, in Zahnpasta in Form von Aluminiumfluorid und in Sonnenschutzmitteln als Beschichtung von Nanopartikeln. Auch in Medikamenten zur Bindung von Magensäure (Antazida) kann Aluminium vorhanden sein.

Den Umgang mit Aluminium überprüfen

Eine Überschreitung der tolerierbaren Aufnahmemenge heißt nun nicht, dass man davon sofort krank wird. Im Raum steht jedoch, dass überhöhte Mengen von Aluminium in Zusammenhang mit der Entstehung von Alzheimer oder auch Brustkrebs stehen könnten.

Gründe genug also, sich mit dem Thema eingehender zu beschäftigen. „Es gibt viele Bereiche in unserem Leben, in dem wir Aluminium gedankenlos verwenden. Hier gilt es, mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen, ohne Panik zu machen“, sagt auch Gudrun Köster, verantwortlich für den Bereich Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Die Referentin hat sich umfassend mit Aluminium beschäftigt und dabei festgestellt, dass Verbraucher bei diesem Thema derzeit ziemlich verunsichert sind. „Verbraucher fragen uns zum Beispiel: Was ist jetzt gefährlicher: Wenn man beim Grillen eine Aluschale verwendet oder die Schadstoffe, die entstehen, wenn herabtropfendes Fett in die Glut gelangt?“, so Köster.

In dieser Abwägung ist der Gebrauch von Aluminiumschalen beim Grillen von Fleisch vertretbar, sagt dazu das BfR. Gesalzen und gewürzt werden sollte allerdings erst am Ende des Grillvorgangs.

Es gibt viele weitere Bereiche, in denen man seinen eigenen Umgang mit Aluminium überprüfen kann. Angefangen beim vieldiskutierten Thema Antitranspirantien. Hier ist es zunächst wichtig, zwischen Deodorants und Antitranspirantien zu unterscheiden. Letztere sind kosmetische Mittel mit schweißhemmender Wirkung. Für diese Wirkung werden Aluminiumverbindungen eingesetzt. Diese bewirken, dass sich die Hautporen zusammenziehen. Zudem bildet sich ein Aluminium-Protein-Komplex, der zeitweise die Ausführgänge der Schweißkanäle blockiert. Aluminiumverbindungen müssen als Inhaltsstoffe auf der Verpackung des Antitranspirants und anderer kosmetischer Mittel aufgeführt werden. Deos hingegen enthalten kein Aluminium und haben daher auch keine schweißhemmende Wirkung. Durch Deos werden die schweißzersetzenden Bakterien, die für den unerwünschten Geruch verantwortlich sind, abgetötet.

Wie viel Aluminium nun durch die Verwendung von Antitranspirantien in den Körper gelangt, kann nur geschätzt werden. Wer täglich Antitranspirantien benutzt, kann laut BfR schon die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht ausgeschöpft haben – die Aufnahme über Lebensmittel oder aluminiumhaltige Bedarfsgegenstände noch gar nicht mitgerechnet.

Da Aluminumverbindungen als Inhaltsstoffe auf der Verpackung von kosmetischen Mitteln aufgeführt werden müssen, kann der Verbraucher hier selbst eine Wahl treffen.

Auf jeden Fall wird jedoch davon abgeraten, Antitranspirantien direkt nach der Rasur anzuwenden. Die französische Arzneimittelbehörde hat herausgefunden, dass man bei gesunder Haut etwa 0,5 Prozent, über beschädigte Haut (zum Beispiel durch Mikroverletzungen nach einer Rasur) jedoch bis zu 18 Prozent des Aluminiums aufnimmt, das mit einem Produkt auf die Haut aufgetragen wird. Empfehlenswert ist daher, sich abends zu rasieren und morgens das Antitranspirant aufzutragen.

Alexandra Höß

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 3/2017