Zu Besuch in einer Posamenten-Manufaktur

Am 25. Juni 2009 haben sich die Türen der Posamenten-Manufaktur in München für 25 Teilnehmer im Rahmen des 11. rhw-Symposiums geöffnet. Empfangen hat sie der Chef persönlich, Tobias Gattermann, der dieses Handwerk des Posamenteurs (oder Schmucktextilienherstellers) schon seit einigen Jahren ausübt.

25 rhw-Leserinnen besuchten die Manufaktur

Die Manufaktur selbst wurde 1894 von Konrad Frank in Nürnberg gegründet, wurde aber einige Jahrzehnte später durch den Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Die Werkstatt wurde neu aufgebaut, wechselte mehrmals den Besitzer und fand 1995 schließlich ihren neuen Inhaber, Tobias Gattermann.

Tobias Gattermann und seine Mitarbeiter fertigen:
– Quasten
– Crepine (Borten mit eingearbeitetem Draht)
– Treppen- und Absperrseile
– Raffhalter
– Raffseile und
– Borten (gewebte Bänder) an.

Aufgrund der Handarbeit ist diese Arbeit so hoch geschätzt, denn jede Quaste, die die Manufaktur verlässt, wird nach perfektem Augenmaß in ihrer Fransenlänge noch per Hand gekürzt.

Aufträge aus Königshäusern
Die Kundschaft, zu der unter anderem europäische Königshäuser, Schlösser und Auftraggeber aus dem arabischen Raum gehören, liefern Stoffmuster an die Manufaktur, nach denen die Mitarbeiter dann farblich passende Quasten, Vorhänge und Schnüre für deren edle Gemächer anfertigen. Die Arbeitszeit solcher Quasten beträgt im Durchschnitt zwei Tage, nach dem der Drechsler Quasten-Muster aus Holz angefertigt hat, die dann entsprechend mit Garnen bespannt werden.

700 verschiedene Farbtöne

Zu der mehr oder weniger alltäglichen Arbeit gehört die Herstellung von meterlangen Crepinen für die Residenz in Bamberg, Quasten für die Empfangsräume des Palais von Wilhelm im Schloss Sanssouci in Potsdam sowie Fransen für diverse Theaterbühnen.
Die Mitarbeiter können sich kreativ bei der Erstellung von Bändern, Borden und Kordeln in dem mit zirka 700 verschiedenen Farbtönen bestückten Manufaktur-Lager bedienen. Die strengen Umweltbestimmungen sind dafür verantwortlich, dass gewisse Farbtöne bei Seidenstoffen in Deutschland nur schwer erhältlich sind.

 

Von: Eva Bittig

Mehr dazu lesen Sie in rhw management 8/2009