Rundum zufriedene Senioren und Mitarbeiter

Wohngruppen in Pflegeheimen sind nichts Neues. Doch nur selten wird dieses Konzept so konsequent umgesetzt wie im Seniorenzentrum Carl-Joseph in Leutkirch seit 2011. Dort hat jede der acht Wohngruppen eine eigene Küche, in der alles frisch zubereitet wird. Die Mitarbeiter der Hauswirtschaft verschwinden seitdem nicht mehr im Küchentrakt, sondern arbeiten als Präsenzkräfte in den Gruppen. Nach anfänglichen Bedenken sind heute alle von dem Konzept überzeugt.

Wer hier aus der Hauwirtschaft kommt und wer aus der Pflege, ist für Außenstehende nicht zu erkennen. Nur eins ist sofort zu sehen: Hier macht das Essen wieder richtig Spaß. Und darauf sind Heimleiterin Simone Simon, Hauwirtschaftsleiterin Corinna Unglert und das ganze Team des Seniorenzentrums Carl-Joseph ungemein stolz. „Es gibt Bewohner, die seit der Umstellung des Konzepts zehn bis 20 Kilo zugenommen haben. Sie essen wieder mit Genuss und verlangen sogar nach einem Nachschlag. Die Zeiten, in denen wir ständig danach schauen müssen, dass die Bewohner ja kein Gewicht verlieren, sind vorbei“, sagt Simone Simon. Und das ist nur einer der positiven Effekte, die das Wohngruppen-Konzept mit sich gebracht hat.

Dabei gibt es dieses in dem Seniorenzentrum der gemeinnützigen Vinzenz von Paul GmbH noch gar nicht so lange. „Im Jahr 2010 haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir unsere Einrichtung so anpassen können, dass sie zukunftsfähig bleibt“, berichtet Simon. Ergebnis war, dass die Zahl der Plätze von 120 auf 93 reduziert und dafür auf den vier Stockwerken acht Wohngruppen eingerichtet werden sollten. Zudem wurde beschlossen, die Großküche aufzulösen und jede Gruppe mit einer eigenen Küche auszustatten.

Die Großküche wurde aufgelöst

„Davor hat unsere Küche 300 Essen pro Tag herausgegeben und damit nicht nur die Bewohner und Mitarbeiter, sondern zum Beispiel externe Schulen versorgt.“ Die Mitarbeiter der Küche hatten keinerlei Kontakt zu den Bewohnern – es gab einen eigenen Eingang zum Küchentrakt, das Essen wurde in klassischen Tablettwägen nach oben geschickt. Die Bewohner konnten aus zwei verschiedenen Menüs wählen – mehr Individualität war nicht vorgesehen.

Von einem gemeinsamen Erlebnis waren die Mahlzeiten weit entfernt. „Viele haben damals im Zimmer gegessen“, erinnert sich Simon. Dass da manches Essen am Appetit der Bewohner vorbeigekocht wurde, zeigte sich zu dieser Zeit auch in einem anderen Bereich. „Wir hatten unglaublich viele Reste. Insgesamt hatten wir zwölf Tonnen für Biomüll vor dem Haus stehen. Mittlerweile sind es nur noch vier und da liegen fast keine Speisereste drin, sondern eben das, was davon übrig bleibt, wenn man Salat putzt oder Kartoffeln schält“, berichtet Hauswirtschaftsmeisterin Corinna Unglert, die auch als Referentin beim diesjährigen rhw-Symposium am 21. Juni 2013 in Würzburg eingeladen ist.

 

Von: Isabelle Butschek

 

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