Mütter wieder stark machen

Direkt am Wald, am Nordrand des Harzes, liegt die Vorsorge-Reha-Klinik Haus Daheim gGmbH. Hierhin kommen seit über 30 Jahren Mütter und ihre Kinder zu dreiwöchigen medizinischen Vorsorge- und Reha-Maßnahmen. Ziel ist es, sie wieder stark zu machen für den oft sehr belastenden Alltag.

Mütter unter Druck: Die Dreifachbelastung durch Kindererziehung, Haushaltsmanagement und Berufstätigkeit fordert bei vielen Frauen ihren Tribut. Von rund 49.000 Müttern, die 2016 an einer Mütter- oder Mutter-Kind-Kurmaßnahme im Müttergenesungswerk teilgenommen haben, leiden über 87 Prozent unter Erschöpfungszuständen bis zum Burnout.

Positiven Umgang mit Belastungen trainieren
Mütter wieder stark zu machen ist auch das Ziel der dreiwöchigen Mutter-Kind-Kur im Haus Daheim. Die Klinik ist eine anerkannte Einrichtung der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung, dem deutschen Müttergenesungswerk. Die Angebote hier richten sich besonders an Frauen, die an psychosomatischen Erkrankungen, Multiple Sklerose oder Krebserkrankungen leiden. Im Vordergrund der Behandlungen in der Klinik stehen die Stabilisierung der Gesundheit sowie die Aktivierung eigener Stärken, Möglichkeiten und Fähigkeiten.
Die Klinik in Bad Harzburg bietet Platz für 35 Frauen und bis zu 55 Kinder im Alter zwischen einem und 13 Jahren. Untergebracht sind sie in Appartements, in dem ein zweites Zimmer für die Kinder zur Verfügung steht.
Wichtig zu wissen ist: Vorrangig die Mütter bekommen hier die Kur, die Kinder sind im Prinzip Begleitung, können aber auch Therapien bekommen, wenn dies notwendig ist. Auch an der Mutter-Kind-Beziehung kann gearbeitet werden, wenn diese aufgrund verschiedener Belastungen gestört ist.

Beratung und Aufklärung zum Thema Ernährung
Zur Gesundheitsförderung gehört auch der Bereich der Ernährungstherapie. Hierfür zuständig ist die Diplom-Oecotrophologin Katrin Hecker. Sie ist Mitglied des therapeutischen Teams, sie übernimmt die Diätberatung bzw. die Ernährungsaufklärung und bietet Kurse zur Gewichtsreduktion für Frauen und Kinder an. Außerdem unterstützt sie die Hauswirtschaftsleiterin Hedwig Urban bei der Speiseplangestaltung und in küchenorganisatorischen Belangen.
Auch wenn es um den Themenbereich Spezialdiäten geht, steht sie in engem Kontakt mit der Küche. „Pro Kurdurchgang mit 35 Frauen sind immer fünf/sechs Personen mit Allergien oder Unverträglichkeiten dabei, sei es Gluten, Fruktose oder Laktose. Wobei schon mal mehr Laktoseunverträglichkeiten vertreten waren, dies flaut im Moment wieder ab“, so Katrin Hecker. „Wir fragen bei Unverträglichkeiten aber auch sehr genau nach. Die Verordnung für eine spezielle Diät erfolgt über die Ärztin“, ergänzt sie.

Pro Kur gibt es immer auch eine „Abnehmgruppe“ mit jeweils sechs bis zehn Teilnehmerinnen. Dabei handelt es sich um einen Gesprächskreis mit terminierten Treffen sowie um eine praktische Kocheinheit in der Lehrküche. Sinn dieses Gruppenangebots ist vor allem, eine Orientierung zu geben, welche Schritte die Betreffenden ihrem Ziel einer Gewichtsreduktion näher bringen und welche eher nicht. „Wichtig ist hier, Sachlichkeit und Sicherheit in dieses Thema hereinzubringen und Ansätze zu liefern, wie man zu Hause eine kalorienreduzierte Mischkost umsetzen kann“, erklärt die Diplom-Oecotrophologin.

Gerade junge Frauen hätten oft überhaupt keine Erfahrung im Kochen, sie sagen auch ganz offen: Ich habe das nie gelernt. Sie fühlen sich unsicher und trauen sich in der Küche wenig zu, deshalb fällt es ihnen natürlich auch schwer, entsprechende Fähigkeiten an ihre Kinder weiterzugeben. „Es wäre schön, wenn das Fach Hauswirtschaft wieder in der Schule unterrichtet würde“, so Katrin Hecker.

Alexandra Höß

Mehr zum Thema lesen Sie in rhw praxis 4/2017 „Krankenhaus und Reha“.