Mit Turbo: Hauswirtschaft in einer Kinderkrippe

Im Münchner Stadtteil Moosach wurde eine neue Kinderkrippe der Diakonie Jugendhilfe Oberbayern eröffnet. Die Bewirtschaftung der kompletten Hauswirtschaft wurde an die diakonia inhouse übergeben – die Zeitspanne hierfür: eine Woche!

Die Kinderkrippe in Moosach ist die achte Einrichtung der diakonia inhouse mit Komplettbewirtschaftung, aber die erste, die mit so wenig Vorlauf übernommen wurde. Die Krippe bietet Platz für insgesamt 48 Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Erst eine Woche vor Eröffnung, am 20. Oktober 2013, erhielt die diakonia inhouse den Zuschlag. Die Übernahme der Kinderkrippe mit vier Gruppen fand somit unter erschwerten Bedingungen statt.

Es stellten sich folgende Fragen:

-Was ist jetzt am wichtigsten?

-Was muss am dringendsten erledigt werden?

-Ohne was geht es auf keinen Fall?

Zunächst standen die Planung aller hauswirtschaftlichen Bereiche und die Einteilung des Personals an. Vorab war eine Begehung des Gebäudes unerlässlich. Wie gut war die Hauswirtschaft eingeplant? Benötigt wurden ein Wäscheraum, idealerweise ein Reinigungsmittellager pro Stockwerk, außerdem eine Küche inklusive Lager sowie ein Büro. Wie viel Platz war wo, was war schon vorhanden, was musste bestellt werden?

Frischküche nach Optimix

Für die Bestellung der Küchengeräte und Materialien ist es essenziell, die Räumlichkeiten zu kennen – insbesondere die Größe und Einrichtung des Lagers.

Ausschlaggebend für die Art und Menge der Kochutensilien, die Anzahl des Geschirrs, Bestecks, der Gläser und des Ausgabegeschirrs ist die Kinderzahl. An wie vielen Tischen essen die Kinder? Benötigt man pro Tisch eine Wasserkanne? Hier dauert die Lieferung der benötigten Utensilien noch länger als bei den Reinigungsmaterialien, weswegen die Nahrung der Kinder in der Krippe auch anfänglich lediglich mit einem verbeulten GN-Behälter, einem Topf, einer Pfanne und ein paar Schälchen gekocht wurde. Die Cafeteria in den Räumlichkeiten der diakonia konnte hier glücklicherweise aushelfen.

Da für alle Einrichtungen mit Frischküche ein Sechs-Wochen-Speiseplan nach dem Ernährungskonzept Optimix installiert wird, konnte nun anhand der Kinderanzahl die erste Lebensmittelbestellung getätigt werden. Doch die geringen Mengen für nur zwölf Kinder mussten erst einmal überwiegend selbst eingekauft werden. Die Großgebinde der ersten Lieferung mit Linsen und Milchreis werden vermutlich noch Monate reichen, was bei unverderblichen Lebensmitteln erfreulicherweise kein Problem darstellt.

Auch für die Küche muss ein separater Reinigungsplan erstellt werden, anhand dessen dann die Checklisten gefertigt werden. Für alle Arbeitsabläufe wie Frühstück vorbereiten, Wagen eindecken etc. sollte eine Arbeitsanweisung vorliegen. Anfangs war dies schwierig, aber die Arbeiten spielen sich nach ein paar Wochen ein und können dann schriftlich fixiert werden.

Wäsche mit Sortierschildern

Bei entsprechender Konzeption der Hauswirtschaft wird ein separater Wäscheraum eingeplant. Idealerweise ist eine Trennung von reinem und unreinem Bereich vorhanden. Waschmaschine und Trockner sind normalerweise wie alle Großgeräte bereits installiert bzw. ihr Stellplatz steht bereits fest.

In dem Wäscheraum der Kinderkrippe türmte sich bereits ein doppelter Satz neu gelieferter Bettwäsche, doch die Geräte fehlten. Die Lösung hieß Wäschetransport zu einer anderen Kindertagesstätte – mithilfe der großen Ikea-Taschen. Die Erstellung eines exakten Wäschekreislaufes dient der Festlegung von sinnvollen Abwurfstellen, die die hygienischen Risiken minimieren. Für die Textilien muss ein Sortierplan erstellt werden, welcher am besten über den jeweiligen Wäschewannen aufgehängt wird. Empfehlenswert ist der Einsatz von Waschwannen, dunkle für die Schmutzwäsche, weiße für die saubere. Sollten keine zur Hand sein, tun es auch für den Anfang die gereinigten Lieferkisten der Gemüse-Ökokiste: dunkle Farbe, Luftlöcher und Stabilität. Idealerweise ist auf den Sortierschildern ebenfalls vermerkt, bei welchem Waschgang, bei welcher Temperatur und mit welchem Mittel die Wäsche gewaschen werden soll.

 

Zur Info

Der Name diakonia inhouse steht für die Komplettbewirtschaftung von Kindertagesstätten. Mitarbeiter mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen sind für die komplette Verpflegung, Reinigung und Textilpflege in den Einrichtungen zuständig. Die Arbeitsstandards nach denen dabei vorgegangen wird, wurden im rhw-Buch „Bewirtschaftung von Kindertagesstätten“ veröffentlicht. Trotz aller Erfahrung stellt die Übernahme einer neuen Einrichtung – vor allem innerhalb kürzester Zeit – dennoch immer eine Herausforderung dar.