Ist vegan das neue Bio?

rhw management suchte eine „ganz normale Veganerin“, also einen Gast, wie er auch bei Ihnen im Tagungshaus oder Restaurant auftauchen könnte. Wir fanden Saskia Wagner (23). Sie studiert Germanistik sowie Kunst- und Kulturgeschichte an der Universität Augsburg und ist seit Anfang 2013 Veganerin.

Durch Buchbestseller und immer mehr vegane Restaurants bekommt der Begriff vegan gerade eine neues Image – vegan und fit schließen sich nicht mehr aus? Was ist Ihre Beobachtung hierzu?

Gerade im Sommer war es extrem – ein ganzes Regal voll veganer Bücher im Buchladen. Ich vermute ein Grund sind die sich häufenden Lebensmittel-Skandale, so dass die Leute stärker darüber nachdenken, was sie essen. In der Fastenzeit 2013 rief beispielsweise der Bioladen „Naturstüble“ ganz Thannhausen (bei Günzburg) zu 30 Tagen veganer Ernährung auf. Sogar der Bürgermeister machte mit und das ging durch die Medien. Jan Bredack, der Geschäftsführer der Supermarktkette Veganz mit rein veganem Sortiment, ist sogar der Meinung, vegan sei das neue Bio, ein Ernährungstrend, der sich entwickelt. Doch dafür gibt es vermutlich noch zu wenig Veganer.

Seit wann sind Sie Veganerin und wie kam es dazu?

Ich habe im Februar 2013 damit gestartet, habe langsam angefangen, weil ich bei Geburtstagen immer mal eine Ausnahme gemacht habe, damit sich meine Familie nicht zu plötzlich umstellen musste. Es ist also keine Protesthaltung oder so etwas. Doch wenn ich alleine gekocht habe, dann habe ich es konsequent gemacht. Eine besonderes Faible für Fleisch hatte ich ohnehin noch nie, aß also oftmals vegetarisch, ohne mich bewusst dafür entschieden zu haben. Über Artikel zur Massentierhaltung und zur Situation in Schlachthäusern hat sich ein Bewusstseinswandel ergeben. So bin ich Anfang 2013 Veganerin geworden.

Hätte denn vegetarisch nicht auch gereicht?

Das muss jeder selbst entscheiden, zwei Beispiele: Wenn man an Eier denkt, sollte man wissen, dass als „Nebenprodukt“ in Deutschland jedes Jahr 50 Millionen männliche Küken in den Brütereien aussortiert und diese oft lebend geschreddert oder vergast werden. In Nordrhein-Westfalen wurde dies nun als erstem Bundesland zwar verboten mit einer Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2015. Doch ist noch nicht klar, wohin stattdessen mit diesen männlichen Eintagsküken, denn sie sind ja durch die Züchtung aufs Eierlegen nicht zur Mast geeignet. Wer Milch kauft, könnte ebenso gut gleich ein Kalbsschnitzel in den Einkaufswagen packen, denn genau das wird aus den männlichen Kälbern der Milchkühe, die keine Funktion erfüllen, außer die Milchproduktion der Mutterkuh zu fördern. Es geht also allgemein um unseren Umgang mit Tieren – das hört beim Verzicht auf Fleisch längst noch nicht auf.

Gibt es Dinge, wo es Ihnen dann doch manchmal zu viel wird mit der Rücksicht?

Weitergedacht müsste man dann auch auf Lederprodukte verzichten, was ich weitgehend tue. Meine Freizeit verbringe ich gern im Pferdestall. Dabei muss ich Vieles aus Leder benutzen, es gibt kaum vegane Alternativen. Bei Medikamenten sind viele Kapseln aus Gelatine, gerade bei verschreibungspflichtigen Medikamenten wird es dann schwierig. Wein ist auch nicht automatisch vegan, weil die Klärung mit Gelatine oder Eiklar erfolgt. Ja, ich habe in der „Frankfurter Rundschau“ sogar gelesen, dass LCD-Bildschirme eigentlich nicht vegan sind, weil ihre Flüssigkristalle auf Cholesterin basieren. Auch Fotopapier enthält Gelatine. Daran sieht man, wie schwer eine konsequent vegane Lebensweise umzusetzen ist. Etwas schräg fand ich auch einen Kommentar im Internet, bei dem der Ekelaspekt eine größere Rolle zu spielen scheint: „Wie kann man als Veganerin nur mit einem Nichtveganer zusammen sein – ich könnte nie jemanden küssen, der Fleisch isst.“ Solche Extreme provozieren eine ablehnende Haltung dem Veganismus gegenüber.

Von: Robert Baumann

Das ganze Interview lesen Sie in rhw management 2/2014