„Hausdamen wandern zwischen den Welten“

Hausdame in einem gehobenen Hotel – für immer mehr Absolventen der Hauswirtschaft ist diese Position verlockend. Doch welche Chance haben die Absolventen und wo muss noch Wissen aufgeholt werden? Wir sprachen darüber mit der Hotelexpertin Marlene Meyer aus Hamburg.

Kennen Sie Hotels, in denen Hauswirtschaftsleitungen als Hausdame arbeiten?

Ja klar, das reicht von der Pension über das Tagungshotel bis in die 5-Sterne-Hotellerie.

Die Hotelsprache ist ja eine besondere, zwischen dem Zimmermädchen und der Hausdame gibt es ja noch so eine Zwischenfunktionen wie den Senior Floor Supervisor. Könnten Sie dies bitte einmal näher erläutern?

Bleiben wir mal zunächst bei den deutschen Begriffen. Da gibt es natürlich die Zimmermädchen und das Reinigungspersonal, dann die Etagen-Hausdame, die Assistentin der Hausdame, die stellvertretende Hausdame und die Leitende Hausdame. So gab es im Sheraton Frankfurt Flughafen, als ich dort arbeitete, beispielsweise mit über 1.050 Zimmern 36 Hausdamen. Die Etagen-Hausdame bzw. analog als Begriff der Floor Supervisor meldet zum Beispiel der Rezeption nach dem Qualitäts-Check, dass ein Zimmer verkaufbar ist. Die Leitende Hausdame, also der Executive Housekeeper, kümmert sich hingegen eher um Fragen wie Vertragspartner, Neuerungen, Standards, Einstellungen, Dienstpläne, Mitarbeiterfragen, Urlaub oder Einkauf.

Welche Berufsabschlüsse passen ihrer Meinung nach besonders gut, um einmal Hausdame zu werden?

Es kommen eigentlich nur die Berufe Hauswirtschafterin und Hotelfachfrau in Frage. Wichtig ist bei beiden der Spaß an der Arbeit sowie der gute Draht zu allen Abteilungen, mit denen es Schnittstellen gibt, wie die Reservierung. Denn hier werden die Sonderwünsche der Gäste abgefragt und den Hausdamen mitgeteilt; also zum Beispiel dass Allergien auf Äpfel berücksichtigt werden müssen, besondere Kissen ohne Daunen, Bademäntel oder sonstige Wünsche erfüllt werden sollten. Auch anders herum ist die Kommunikation wichtig: denn die Rezeption muss passgenau die Zimmer nach der Reinigung dem wartenden Gast zuordnen und natürlich dabei seine gebuchte Zimmerkategorie beachten. Das Zusammenspiel von Housekeeping und Technik ist ebenso wichtig. Reparaturen müssen in kürzester Zeit gemeldet und erledigt werden.

Was bringen ihrer Meinung nach Hauswirtschaftsleitungen oder Hauswirtschafterinnen an wichtigen Kompetenzen mit?

Definitiv besser ausgebildet sind die Hauswirtschafterinnen im Bereich Materialkunde und Werterhalt. Wenn ich mit Hauswirtschafterinnen über Reinigungsmittel spreche, haben wir eine ganz andere Grundlage und auch das Thema Wäsche ist gut vertieft. Ob die Wäsche von Baumwolle, Leinen oder Halbleinen: das sind Bereiche, in denen sich die Hauswirtschafterinnen meist sehr gut auskennen. Hier haben die Hotelfachkräfte ja eher nur eine Stippvisite im ersten Lehrjahr hinter sich.

Und wo sollte sich die Hauswirtschaft noch Wissen aneignen?

Auf jeden Fall sollte sich die interessierte Hauswirtschafterin die gesamten Arbeitsabläufe im Hotel und vor allem die Schnittstellen ‑ wie zum Verkauf ‑ bewusst machen. Nehmen wir das Beispiel Betten und Matratzen. Hier muss unter anderem bei der Anschaffung bedacht werden, wie oft die Gäste wechseln, welchen Bedarf diese Gäste haben, ihr Alter, ihre Größe, das Geschlecht oder Vorlieben der Nationalitäten.

Wenn ein Amerikaner sieht, dass er auf seinem Bett eine Bettdecke und ein Kopfkissen hat, so könnte er nur schwer darin schlafen. Er wird sicher darauf bestehen, dass ein stramm gespanntes Tuch und darüber eine Wolldecke für ihn vorbereitet werden.

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw-management-Ausgabe 11/2015.

Tipp

Am 23. Juni 2016 wird Marlene Meyer beim rhw-Fachtag „Housekeeping und Wäscheservice“ in München im Kardinal Wendel-Haus als Referentin und Workshop-Leiterin dabei sein.

Das Programm folgt in Kürze unter www.rhw-fachtag.de.

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