HACCP für den Wäschebereich

In vielen stationären Einrichtungen wird hygienesensible Wäsche bearbeitet. Dabei arbeiten viele unterschiedliche Personengruppen zusammen: Betreuungs-, Pflege- und Hauswirtschaftskräfte, Hol- und Bringdienste etc. Damit hier im Bereich alles klappt, gleichzeitig aber auch das sprichwörtliche Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird, ist ein gut durchdachtes Wäschehygienekonzept erforderlich. Das RABC-System zur Bearbeitung hygienesensibler Textilien, das in Großwäschereien zum Standard gehört, kann hier weiterhelfen.

Neben diversen externen Prüfsystematiken wie MDK-Kontrollen, Begehungen des Gesundheitsamtes etc. entwickeln sich im hauswirtschaftlichen Bereich immer mehr Qualitätsmanagementsysteme auf Basis von Eigenkontrollen.

Systeme wie das HACCP-Konzept werden längst nicht mehr nur für den Verpflegungsbereich angewendet, sondern mittlerweile auch in den anderen hauswirtschaftlichen Bereichen praktiziert. So wird die Absicht des Gesetzgebers, die Eigenverantwortung der im hauswirtschaftlichen Bereich tätigen Mitarbeiter/innen zu stärken und zu fördern, in allen hauswirtschaftlichen (Teil-)Bereichen umgesetzt.

Das RABC-System im Bereich Textilpflege
Hinter der Abkürzung RABC verbirgt sich ein wahrer Zungenbrecher:
– Risiko
– Analyse
– Bio
– C (K)ontaminations-Kontrollsystem

Dabei handelt es sich in der Praxis um nichts, was wir nicht schon aus dem Bereich Lebensmittelhygiene kennen: ein Eigenkontrollsystem, das auf einer Gefahren- oder Risikoanalyse basiert. Doch anders als im Lebensmittelbereich ist das System RABC für Wäschereien nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern seine Anwendung eine freiwillige Maßnahme zur Qualitätssicherung.

Die Ziele der DIN EN 14065
Bereits im Jahr 2003 wurde die europäische Norm 14065 in Deutschland veröffentlicht, die zum Ziel hat, die Aufbereitung von Textilien aus hygienesensiblen Bereichen und Einrichtung, wie zum Beispiel Krankenhäusern, Praxen und Pflegeheimen, sicher zu gewährleisten.

Der Norm liegt die Idee zugrunde, nicht – wie nach dem Prinzip der Qualitätskontrolle üblich – Kontrollen „am fertigen Produkt“, also an der gewaschenen Wäsche vorzunehmen, sondern ein System vorbeugender Maßnahmen zu etablieren. Ganz, wie wir es aus dem Verpflegungsbereich mit dem Qualitätsmanagementsystem HACCP kennen.
Dabei geht es der Norm ausschließlich um den Schutz der „Sache“, also der Wäsche, nicht um den Schutz der Mitarbeiter/innen. So heißt es auch in der Einleitung: „Diese Norm berücksichtigt keine Maßnahmen, die für den Schutz des Personals erforderlich sind.“(vgl. EN 14065:2002 (D), Einleitung, Allgemeines, Seite 3).

Das der DIN EN 14065 zugrunde liegende „Risikoanalyse- und Kontrollsystem Biokontamination“, wie das RABC-System hier genannt wird, wird als auf sieben Grundsätzen basierend beschrieben. Hier finden wir wiederum eine Parallele zum HACCP-Konzept.

Anwendbarkeit bei Eigenwäsche
Wer in einer stationären Einrichtung Wäsche teilweise oder komplett bearbeitet, wird sich vermutlich schwer dabei tun, die DIN EN 14065 komplett anzuwenden und umzusetzen.
Hierfür ist diese Norm auch nicht gedacht und konzipiert. Zielgruppe für die DIN EN 14065 sind Großwäschereien, die Wäsche aus hygienesensiblen Bereichen bearbeiten.

Dennoch sind Teile der Norm und insbesondere die grundlegenden Ideen, die die Basis des RABC-Systems bilden, durchaus auch bei Eigenwäsche und Teilvergabe in einer stationären Einrichtung anwend- und umsetzbar – gerade auch, wenn an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlich großen Maschinen und von unterschiedlichsten Personen gewaschen wird.
Carola Reiner

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw praxis-Ausgabe 3/2015

Zu dem Thema bietet rhw mit der VNM Akademie auch ein Seminar mit Carola Reiner und zwei Terminen an

  1. 1. Dezember 2015 in Tübingen
  2. 9. Dezember 2015 in Würzburg
Foto: Robert Baumann