Fachhauswirtschafterin: Eine Berufung der Zukunft

Die Individualität eines im Altenheim lebenden Menschen fällt meistens eng gestrickten Dienstplänen, der ständigen Personalknappheit oder einem Mangel an Wissen zum Opfer. Durch den Weiterbildungsberuf „Geprüfte/r Fachhauswirtschafter/in (FHW)“ kann besser auf Eigenschaften und Besonderheiten der zu Betreuenden eingegangen werden. Dies sogar manchmal ohne große Anstrengung, wie Sigrid Ratz, geprüfte FHW, weiß.

Biografien verlaufen selten linear. Die meisten schlagen Haken und gehen unerwartete Pfade. Gerade alte Menschen haben unzählige Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt – und die sollte man nicht ignorieren. Auch wenn es nach einem frommen Wunsch der Zukunft klingt: Es sollte zum Standard werden, mehr auf die Individualität der Menschen, die im Altenheim die letzte Phase ihres Lebens verbringen, einzugehen. Sigrid Ratz ist der Überzeugung, dass dies möglich ist, denn eine FHW ist speziell dafür ausgebildet, sich auf verschiedenste Menschen und Situationen einzustellen.

 

Lernen, worauf es wirklich ankommt

Zeichnet man den Lebensweg von Sigrid Ratz nach, stellt man fest, dass auch dieser nicht linear verlaufen ist. Umwege führten sie zunächst in eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach einem Jahr jedoch brach sie diese Ausbildung aus familiären Gründen ab und wurde Pfarrhaushälterin. Doch diese Position war ihr Sprungbrett, denn berufsbegleitend absolvierte sie 1996 eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Eigentlich wollte sie sogar ihren Meister in Hauswirtschaft anhängen. „Jedoch stellte ich sehr schnell fest, dass das nicht meine Welt ist“, so Sigrid Ratz. „Ich suchte nach einem Gebiet, in dem ich besser aufgehoben bin. 2012 begann ich mit der Zusatzausbildung zur Fachhauswirtschafterin. Dies ist meine Berufung, das wusste ich schon nach dem ersten Ausbildungstag.“

Eine ihrer Lehrerinnen war Anna Streller-Holzner, die in den Neunzigerjahren das Berufsbild der/des Geprüften Fachhauswirtschafters/in begründet hat. Sigrid Ratz schwärmt: „Dieses Berufsbild verkörpert sie mit Leib und Seele! Ich habe in ihrem Unterricht gelernt, worauf es wirklich ankommt!“

Im Januar 2014 nun schloss Sigrid Ratz ihre Weiterbildung erfolgreich ab. Sogar so erfolgreich, dass sie zu den Besten ihres Jahrgangs gehörte und auch den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung erhielt. Ihre abschließende Facharbeit hatte sie innerhalb von drei Wochen zu bewerkstelligen. Darin musste sie – sehr praxisorientiert – anhand einer ihr zugeteilten Altenheimbewohnerin eine Dokumentation erstellen und diese schriftlich ausarbeiten. Ratz: „Die Abschlussarbeit hat mir geholfen, all das, was ich in den vorangegangenen zwei Jahren gelernt und erlebt hatte, zu fokussieren. Eine tolle Erfahrung!“

Eva Maria Reichert

 

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