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Der letzte Weg – Einblicke ins Krematorium Wien

von | Nov. 21, 2014 | aktuelle_artikel, Wissen-Reinigung

Eine Aufgabe der besonderen Art meisterte ein Reinigungsunternehmen 2012 mit der Planung und dem Bau der Filteranlage für das Krematorium Wien, einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1922. rhw management besuchte die Anlage und erfuhr auch Vieles über die Sterbekultur.

Die Feuerhalle Simmering beherbergt das einzige Krematorium von Wien und das größte von Österreich. Pro Jahr gibt es hier 6.800 Kremationen, die Anlage ist ausgelegt für über 9.000 Einäscherungen. Mit eingeschlossen sind dabei auch Personen, die sich der Pathologie zur Verfügung gestellt haben und Spitalabfälle von Operationen. Diese werden in einer schlichten Holzkiste mit der Aufschrift „Ana“ (für Anatomie) kremiert und in einer Sammelgrabstätte beigesetzt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, amputierte Körperteile in einem besonderen Teil des Friedhofs beizusetzen.

Zwei Ofenarten sind verbreitet
In Deutschland gibt es vor der Einäscherung eine zweite Totenschau im Krematorium; jeder Sarg muss hier noch einmal geöffnet werden – in Österreich nicht. Jeder Sarg wird bei der Übernahme im Krematorium Wien mit dem Vor- und Zunamen der/des Verstorbenen, Titel sowie dem Geburts- und Sterbedatum versehen. Doch immer wieder muss trotzdem der Sarginhalt kontrolliert werden, wenn zum Beispiel noch eine volle Wodka-Flasche als Beigabe in den Sarg gelangt ist oder der ganze Sarg voller Kleidung (als Beigaben) befüllt wurde, wie es bei Chinesen üblich ist. Ebenso sind auch Schuhe mit Kautschuksohlen beim Verbrennen problematisch. Denn Kautschuk verflüssigt sich und kann sich in den kälteren Nebenkanälen der Verbrennungsöfen wieder ablagern. Sind diese Kanäle verstopft, ist eine Luftregulierung im Ofen nicht mehr möglich.

Grundsätzlich benötigt man immer den Holzsarg als Energieträger, anders kann die Verbrennung gar nicht funktionieren. Der Sarg entzündet sich durch die abgegebene Hitze und wärmespeichernde Schamottauskleidung des Ofens von selbst. Es gibt entweder Stromöfen oder Gasöfen. Im Krematorium Wien sind drei Öfen gleichzeitig in Betrieb. Zwei der ehemals vier Stromöfen aus dem Jahre 1986 wurden in der Feuerhalle Simmering bereits durch Gasöfen ersetzt und bis 2019 sollen hier sogar alle Stromöfen ersetzt werden. „Inzwischen werden Stromöfen schon gar nicht mehr produziert“, so Christian Vikenscher, Verwalter und technischer Leiter des Krematoriums.

Reaktion auf zunehmendes Übergewicht
Doch warum kaum noch Stromöfen? Die Gründe sind vielfältig: Zum einen können Gasöfen trotz 300 Grad Celsius niedriger Arbeitstemperatur schneller arbeiten. Gasöfen haben außerdem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Stromöfen über 24 Stunden lang rund um die Uhr ohne Überhitzung laufen können. Zudem halten sie auch von der Temperatur her höhere Gesamtgewichte bis zu 350 Kilogramm und den damit verbundenen hohen Heizwert von Körperfett aus. Dann dauert die Verbrennung allerdings nicht 70 Minuten, sondern mehr als zwei Stunden. Übergewichtige Verstorbene hätten die klassischen Stromöfen bereits an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht.

Auch die Bestatter merken, dass die Menschen immer übergewichtiger werden. Inzwischen gibt es Särge mit einer Breite und Höhe von 90 x 90 Zentimetern, Standard sind 40 x 60 Zentimeter. Der höhere Fettanteil erzeugt in den Öfen auch deutlich höhere Temperaturen von etwa 1.500 bis 1.700 Grad Celsius. Die Temperaturen bei der üblichen Verbrennung liegen bei 900 bis 1.000 Grad.
Robert Baumann

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 12/2014

Foto: Robert Baumann

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