CURE und CARE: „Wir werden klar gesehen“

Im Juli 2013 veröffentlichte die Arbeitsgruppe „Pflege und Teilhabe“ Eckpunkte zu einem neuen Ansatz für Pflege und Teilhabe. Fest verankert ist darin die Hauswirtschaft. Wir sprachen mit Martina Feulner, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh), über die Chancen und welche Berufsbilder hierfür am besten passen.

Versuche, die Pflege zu reformieren, gab es ja schon viele – was sind die neuen Kerngedanken bei Cure and Care?

Die bisherigen Reformen blieben bei der Finanzierung allein durch die Pflegeversicherung stehen. Prof. Thomas Klie geht mit der Arbeitsgruppe diesmal zwei Schritte zurück, sieht das Ganze breiter und geht über die bisherigen Grenzen hinaus. Momentan gilt ja: Es gibt Pflegekräfte und ein bisschen Leistung „drumherum“, wie beispielsweise Hauswirtschaft, was bisher nicht näher beschrieben wurde.

Doch durch die Unterteilung in Cure/Pflege und Care/Teilhabe wird erstmals der Mix von Familien, Heimen, Gemeinwesen berücksichtigt und auch Lösungen für ältere Menschen mit Behinderung mitgeliefert.

Ist Cure and Care also eine Art persönliches Budget in der Altenhilfe?

Genau, so kann man den Ansatz beschreiben, zumindest für den Care-Bereich. Das bisherige Sachleistungsprinzip soll entfallen und durch ein Budget ersetzt werden. Der ältere Mensch soll selbst frei wählen können, welche Leistung er wünscht.

Ein Beispiel: So ist es derzeit finanziell nicht möglich, dass ein Bewohner mit Sozialhilfe in einer ambulanten Wohngemeinschaft lebt. Denn er wird vom Pflegerecht her so behandelt, als würde er privat wohnen, dabei werden in der ambulanten Wohngemeinschaft viele Dienstleistungen zur Tagesstruktur angeboten. Doch diese muss ein Bewohner weitgehend privat finanzieren. Derzeit werden ambulante oder stationäre Leistungen finanziert, aber kaum die zahlreicher werdenden Wohnformen dazwischen. Neu ist auch, dass die Hilfen im direkten Lebensumfeld der alten Menschen in den Blick genommen werden. Hier setzt die Reform an.

Einflüsse auf das jetzige Konzept hatten ja auch Praxisbeispiele – was beispielsweise wurde daraus gelernt?

In der Praxis gibt es schon viele gute Beispiele, wie beispielsweise das Konzept, über das Corinna Unglert von der Vinzenz von Paul gGmbH auf dem 15. rhw-Symposium referiert hat. Das von ihr vorgestellte Haus- und Wohngemeinschaftskonzept mit Alltagsbegleitung und hauswirtschaftlicher Versorgung direkt im Wohnbereich zeigt sehr deutlich den neuen Ansatz. Ein gelungenes Beispiel ist hier auch das Quartierskonzept der Bremer Heimstiftung. Oder Beispiele aus der Nachbarschaftshilfe in Baden-Württemberg. Wir haben da schon eine ganze Menge an Anregungen aus der Hauswirtschaft-Branche beisammen, die zusammengeführt werden müssen.

Wie wird der Stellenwert der Hauswirtschaft berücksichtigt?

Das wichtigste für uns ist, sie wird ausdrücklich benannt! Hauswirtschaft wird einerseits als Basisversorgung gesehen. Und daneben steht die Alltagsgestaltung. In der Hauswirtschaft sehen wir längst beides zusammen und haben dazu die „Hauswirtschaftliche Betreuung“ als Handlungskonzept entwickelt.

 

Von: Robert Baumann

 

Mehr zum Thema lesen Sie in rhw management 9/2013