Aus Liebe zur süßen Kunst

Hauswirtschafterinnen stehen ungewöhnliche Karrierewege offen, das zeigt das Beispiel von Andrea Schirmaier-Huber. Die Hauswirtschafterin und Konditormeisterin ist Weltmeisterin im Konditorhandwerk, betreibt eine eigene Backakademie und ist auch noch ein Fernsehstar durch Sendungen wie „Das große Backen“ oder „Deutschlands beste Bäcker“. Ein Porträt.

Es ist nicht nur ein Spruch: Andrea Schirmaier-Hubers Laufstall stand wirklich in der Backstube. Schließlich wurde sie in dritter Generation in eine Konditorenfamilie hineingeboren, die bis in das Jahr 1895 zurückgeht. Den Geruch und die Atmosphäre in der Backstube hat sie von klein auf geliebt: „Wenn ich von der Schule heimkam, habe ich meinen Schulranzen in die Ecke geschmissen und bin in die Backstube zum Helfen.“ Ihre ersten eigenen Kreationen waren riesige Mürbeteighasen von zweieinhalb Kilo Gewicht. Und obwohl man ihr erklärt hatte, dass die zu groß waren und beim Backen entweder außen schwarz oder innen nass werden würden, setzte sie ihren Wunsch durch. Die Hasen wurden gebacken und waren natürlich innen nicht durch…

Ein Händchen für die Hauswirtschaft
Die Backstube zog sie in jedem Fall der Schule vor: „Ich habe nicht gern gelernt, meine Noten waren sehr schlecht“, gibt sie heute lachend zu. Das gefiel ihrem Vater nicht und er schickte sie in ein Internat mit Hauswirtschaft, das könne man schließlich immer brauchen. „Ich war im Mädcheninternat auf der Fraueninsel im Chiemsee bei Klosterschwestern. Das fand ich total witzig, aus der Gastro-Familie raus und mal etwas ganz anderes.“ Sie habe auch ein Händchen für Hauswirtschaft gehabt, überhaupt könne sie diese Ausbildung nur jedem empfehlen: „Das ist so eine breite Ausbildung, da habe ich so viel herausgezogen. Das kann man immer gebrauchen, auch für den eigenen Haushalt und die Familie.“

Andrea Schirmaier-Huber schloss 1994 ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin mit Erfolg ab, aber die Liebe zur „süßen Kunst“ war dann doch stärker und sie absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Konditorin im berühmten Café Luitpold in München und übernahm anschließend die Backstubenleitung im heimischen Betrieb. Parallel verbuchte sie einen Erfolg nach dem anderen: sie wurde bester Lehrling in München, dann Kammersiegerin, Landessiegerin, Bundessiegerin – und war damit für die Konditorenweltmeisterschaft qualifiziert.

Die erste deutsche Frau, die gewinnt
Um sich gebührend darauf vorzubereiten, pausierte sie ein halbes Jahr mit ihrer normalen Arbeit und trainierte intensiv mit einem sehr erfolgreichen Konditormeister, der selbst schon einmal die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Denn eine Weltmeisterschaft gewinnt man nicht mal einfach so: mit der Stoppuhr lernte sie, eine Zuckerrose in zwei statt in zehn Minuten zu formen, hatte Blasen an den Händen und war manchmal nah dran alles hinzuschmeißen.

Doch die Mühe hat sich gelohnt: mit 21 Jahren gewann sie 1999 in Montreal/Kanada die alle zwei Jahre stattfindenden „WorldSkills“gegen starke Konkurrenz aus Japan und Österreich den Weltmeistertitel – als erste deutsche Frau überhaupt. Die WorldSkills sind ein Leistungsvergleich nicht-akademischer Berufe für Teilnehmer bis zu 23 Jahren. Auch Restaurantfachkräfte, Köche und der Bereich Caring/Soziale Betreuung gehören dazu. Inoffiziell sind auch die Namen Berufsolympiade oder Berufsweltmeisterschaft verbreitet.
Alexandra Höß

www.konditorenweltmeisterin.de

Buch-Tipp
Andrea Schirmaier-Huber: „Kuchen & Süßes. Klassisch gebacken – Kreativ interpretiert“, Südwest-Verlag, München. 1. Auflage 2015, 176 Seiten, 17,99 Euro, ISBN: 978-3517093611

Foto: Südwest Verlag/Klaus Einwanger

Mehr zum Thema lesen Sie in der rhw management-Ausgabe 3/2016